Sechsecke für Kunst und Frieden

Kultur / 07.07.2014 • 22:52 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Stefan Kainbacher und Tomi Scheiderbauer auf der Suche nach dem Algorithmus, der Frieden stiftet.  Foto: A. Grabher  
Stefan Kainbacher und Tomi Scheiderbauer auf der Suche nach dem Algorithmus, der Frieden stiftet. Foto: A. Grabher  

Kainbacher und Scheiderbauer stellen ein spannendes Projekt in der Galerie c.art und im Conrad Sohm vor.

DORNBIRN. (VN-ag) Kann gemeinsames Design als spielerische Alternative zu nichts fruchtenden Gipfelgesprächen einen Beitrag zur Konfliktlösung im Nahen Osten darstellen? Mit dieser Frage befasst sich die aktuelle Ausstellungskooperation „a study for Y-Land“ von Stefan Kainbacher und Tomi Scheiderbauer, die im Rahmen des Conrad Sohm Kultursommer Festivals in der Dornbirner Galerie c.art zu sehen ist.

In deutscher Schreibweise gibt es kein Land mit „Y“. Ebenso fiktiv ist „Y-Land“, der Ort, an den die Vorarlberger Künstler und Designer entführen möchten. Doch zuvor gilt es, „Y-Land“ in einem partizipatorischen Experiment zu erfinden und zu konstruieren. Die Spielregeln für ein Handeln, das nicht auf Sprache und Worten, sondern vielmehr auf geometrischen Strukturen basiert, bezieht man als personalisiertes Ticket aus einem würfelförmigen Automaten in der Galerie. Danach greift man sich ein Plakat vom Stapel und beginnt nach den Anweisungen Sechsecke zu zeichnen. Denn auf dem Hexagon, begriffen als Grundform, aber auch „ornamentales missing link zwischen den Kulturen“, basiert das unendliche Muster, aus dem in der Zusammenschau ein Riesenmosaik werden soll. Das Namensgebende, eingeschriebene „Y“ unterteilt das Sechseck und symbolisiert die Einheit und den gemeinsamen Ursprung der drei großen, sich bekämpfenden Religionen. Mit „Y-Land“, als jetzt noch analoge Versuchsanordnung, die in den kommenden zwei Jahren in Tel Aviv digital umgesetzt werden soll, wo vor allem mit Schulen zusammengearbeitet wird und auch Produkte wie Stoffe oder Fliesen produziert werden, begeben sich Stefan Kainbacher und  Tomi Scheiderbauer auf die Suche nach dem Algorithmus der Frieden stiftet. Dass die Zeichensätze, derer sie sich bedienen, hierzulande vielleicht lediglich als Muster, anderswo aber als politisches Statement und „fundamentalistisch illegal“ gelesen werden, dessen sind sie sich bewusst.

Peace of Art

Und stellen auf der Rückseite des zu bezeichnenden Plakates als „Your peace of art“ jenseits aller Ideologie eine fast intime Frage: „Wo findest du deinen Frieden?“ Die Antworten der Teilnehmer werden im Conrad Sohm projiziert und sollen die Prachtclub-Besucher in die Galerie locken, wie auch umgekehrt. Denn auch diesbezüglich ist „Y-Land“ ein Experiment mit offenem Ausgang, ein Startschuss, und keineswegs ein Endpunkt. „Y-Land“ hat aber auch etwas von Nimmerland, ist eine spannende Utopie, ein sympathischer Gegenentwurf zum Status quo im Nahen Osten. Aufgrund der politischen Lage scheint die Durchführung des Projekts im Moment nicht so realistisch, deswegen für das erstmals zusammenarbeitende Künstlerduo aber vielleicht umso wichtiger. Mitmachen und Sechsecke zeichnen hilft dabei, ebenso ein Beitrag für den ornamental verzierten Opferstock. Ergänzt wird das gemeinsame Plakatprojekt in der Galerie durch Einzelwerke der beiden Künstler. Während Scheiderbauer in seinem künstlerischen Single-Leben nach dem Kulturlabor CALC u. a. in einem „amerikanischen Zimmer“ sinnige Digitaldrucke wie einen aus Post-it-Zetteln gefertigten Edward Snowden zeigt, befasst sich Kainbacher in computergenerierten Arbeiten mit Systemen, die ihren Ursprung häufig in der Natur haben.

Die Ausstellung ist in der Galerie c.art, Marktstraße 45, in Dornbirn, bis 20. Juli geöffnet, Di bis Fr, 9 bis 12 und 15 bis 18 Uhr, Sa, 10 bis 12 Uhr.