Von der zutiefst zerrissenen Frau

Kultur / 07.07.2014 • 22:52 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
„Fräulein Julie“: Wird er den Stiefel der Herrin küssen?  Foto: Voith
„Fräulein Julie“: Wird er den Stiefel der Herrin küssen? Foto: Voith

Auch ernstes Sommertheater findet begeisterte Zuschauer.

Überlingen. Nach Zuckmayers „Der fröhliche Weinberg“, das manchen Besuchern als zu leicht erschien, bringt das Theater Konstanz als Hauptstück des Überlinger Sommertheaters diesmal eine Tragödie auf die Bühne der Kapuzinerkirche: Strindbergs „Fräulein Julie“ ist begeistert gefeiert worden. Ein dichtes Spiel.

Das junge Team mit Regisseurin Joana Tautz, Ausstatterin Marie Holzer und Dramaturgin Miriam Denger hat auf die innere Spannung des Stücks vertraut, die in jedem Wort, in jedem Blick der drei Spieler spürbar wird. Einzige „Zutat“, die sich bestens ins Ganze fügt, ist die Projizierung der ungleichen Liebesbeziehung auf den Tango, der den Abend einleitet und später zur nächtlichen Hingabe führt.

Unberechenbar und zynisch

Stumm betritt der Diener Jean die Bühne, von hinten kommt das Fräulein auf ihn zu, berührt ihn herausfordernd, tanzt mit ihm, spielt mit ihm, bietet einen Kuss und wendet sich ab. Sie versteht es, den Mann wider seinen Willen heiß zu machen, verwirrt zurückzulassen. Ganz eins mit sich erscheint Köchin Kristin, spielerisch räumt sie Gläser weg, vertraut plaudert sie mit Jean, und doch sind auch da Irritationen – einen Schritt zu weit vorgetastet, die gemeinsame Zukunft angesprochen und er ist zugedreht. Unberechenbar ist Alissa Snagowskis Fräulein Julie, André Rohdes Jean wiederum verfällt ihr und ist sogleich wieder er selbst, zynisch, vom Wunsch besessen, weiter aufzusteigen, es denen zu zeigen, vor denen er keinen Respekt mehr haben kann.

„Fräulein Julie“ steht bis 20. Juli auf dem Programm: www.sommertheater-ueberlingen.de