Hier wird Kunst geleckt und das Geld poliert

Kultur / 10.07.2014 • 21:03 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Arbeit des Schweizer Künstlers Gabriel Mazenauer.  Foto: VN/Paulitsch
Arbeit des Schweizer Künstlers Gabriel Mazenauer. Foto: VN/Paulitsch

Die 14. Art Bodensee präsentiert sich größer und internationaler als zuletzt.

Dornbirn. Bei so viel Kunst kann man tatsächlich Blut lecken. Dass man aber auch Kunst lecken kann, beweist die hintersinnige Installation aus von Tieren abgeleckten Salzsteinen des Vorarlberger Künstlers Peter Lederer, die dem Besucher zur diesjährigen Art Bodensee gleich im Foyer als starkes Statement auflauert. Nach einer Phase des Gesundschrumpfens, 30 Aussteller waren es vor vier Jahren, beim Antritt von Projektleiterin Isabella Marte, wächst die Art Bodensee wieder. Unter den heuer insgesamt teilnehmenden 54 Galerien und 14 Institutionen aus sieben Ländern finden sich auch etliche Neuzugänge, die auf jeden Fall eine Bereicherung darstellen.

Groß genug und klein genug, bewahrt sich die Art Bodensee dennoch den Charakter einer Salonmesse, die einen Gegenpol zur Hektik der Märkte bildet und stattdessen auf Qualität und persönliche Begegnung setzt. Mittendrin zwischen Messeständen und Kojen finden sich der wie jedes Jahr von Künstler Harald Gfader kuratierte, von Messe und Land geförderte Auftritt eines heimischen Künstlers. Neu wird dieser nicht mehr unter dem Label „Rookie“ geführt, sondern gewährt als „Featured artist“ mehr Freiheiten in der Auswahl, die diesmal auf die aus Vorarlberg stammende Malerin Cäcilia Falk gefallen ist. In unmittelbarer Nähe, trifft Museum auf Messe: in der Sonderschau zeigt das Privatmuseum Biedermann von Margit Biedermann ausgewählte Metallwerke und Skulpturen aus der Sammlung. Zu den Arbeiten, die Materialität und Oberfläche in unterschiedlichsten Formen thematisieren, gehört als Blickfang eine orangefarbene Vespa von Stefan Rohrer, die mit einem Riesenschnörkel zwischen Schönheit und Zerstörung changiert.

Performance und Waschlappen

Nicht nur in den Hallen, sondern auch in der Stadt und u.a. in einem Performance-Parcours, findet das Performance Festival „Caught in the Act“ als Rahmenprogramm und als Kooperation zwischen der Wiener Akademie der bildenden Künste und den Dornbirner Kulturveranstaltern statt. Das eigentliche Herz der Art Bodensee bilden aber die Auftritte der Galerien. In aufgeräumter Stimmung und für viele Beteiligte noch besser als im vergangenen Jahr, präsentiert sich die Messe. Einmal mehr ist Vielfalt, von der klassischen Moderne über die Kunst der 1960er-Jahre bis hin zu zeitgenössischen Werken angesagt. Das breite Angebot spiegelt sich auch im Preisniveau: wer die 260.000 Euro für eine Bodenseelandschaft von Otto Dix, als teuerstes Werk der Messe, nicht aufbringen will, begeistert sich vielleicht für eines der witzigen „Waschlappen-Porträts“ mit Österreich-Schwerpunkt von Holger Kurt Jäger. Angeboten werden sie von der Stuttgarter Galerie Amrei Heyne an einem Wäscheständer für 180 Euro und dazwischen gibt es sowieso jede Menge für jedes Budget und jeden Geschmack.

Neben Neuzugängen wie den Berliner Galerien Jarmuschek + Partner oder cubus-m, der Grazer Galerie Eugen Lendl oder der  Galerie Döbele, die mit ihrem Messeauftritt zu den Wurzeln und in die Region zurückkehrt, sind auch die heimischen Galerien gut aufgestellt.

1-Cent-Kunststücke

Zu den Künstlern, wie Ruth Schnell, Rainer Ganahl oder Stoph Sauter, gesellen sich bei Lisi Hämmerle die überschwänglichen Rosenbilder der Künstlerin Marina Koldobskaya, während digitale und geometrische Kunst in der K12 Thema sind und sich die Galerie.Z neben der Zeichnung auch der Skulptur widmet. Einen Querschnitt durchs Programm zeigen Galerie Feurstein, die Galerien Arthouse und auch die Lustenauer Galerie Maximilian Hutz, sowie die Art-Galerie am Hofsteig aus Wolfurt, die zauberhaft-skurrile Gemälde der jungen Bregenzerwälder Künstlerin Sarah Bechter ausstellt. Einen besonderen Auftritt unter den Institutionen als Präsentation des Vereins beschert Hans Dünser der Plattform KunstVorarlberg via Laufsteg und Einblick in ein Modell der Villa als Ausstellungsort. Hat Adlassnigg vor Kurzem noch die österreichische Fahne gebügelt, so poliert er jetzt an einem Tisch 1-Cent-Münzen auf Hochglanz. Münzen, die in Herstellung und Transport mehr kosten, als ihr Nennwert beträgt, werden vom Künstler, der darin durchaus Parallelen zur Kunst sieht, aufpoliert und als kleine Kunstwerke wieder in Umlauf gebracht.

Die Art Bodensee ist in den Dornbirner Messehallen 13 und 14 vom 11. bis 13.Juli geöffnet.