Musik aus einem Trauma entstanden

Kultur / 11.07.2014 • 20:54 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ittai Shapira (l.) mit Robert Bokor (Chefdirigent des „Arpeggione“-Kammerorchesters). Foto: JU  
Ittai Shapira (l.) mit Robert Bokor (Chefdirigent des „Arpeggione“-Kammerorchesters). Foto: JU  

Der Geiger Ittai Shapira bringt mit „Arpeggione“ sein neues Violinkonzert zur Uraufführung.

HOHENEMS. (VN-ju) Das traditionelle Konzert des Kammerochesters „Arpeggione“, das heute aufgrund des anhaltenden kalten Wetters kurzerhand in die Pfarrkirche St. Karl verlegt wird, bringt wieder Starglanz nach Hohen­ems. Der renommierte israelische Geiger Ittai Shapira wird „Magyar“, das jüngste aus der Reihe seiner eigenen Violinkonzerte, zur Uraufführung bringen und stellt dabei auch die mit diesem Orchester entstandene CD-Einspielung vor. Am Pult: Chefdirigent Robert Bokor, der dank seiner guten Kontakte diesen Deal auch eingefädelt hat.

Sieht sich Shapira als Vio­linvirtuose und Komponist in der Tradition eines Niccolo Paganini? „Absolut“, bestätigt er im VN-Gespräch. „Ich habe eine traditionelle Ausbildung genossen und kenne dieses Repertoire.“ Doch es gab in seinem Leben ein einschneidendes Erlebnis, das ihn zum Umdenken bewegt hat: „Ich wurde in New York, wo ich heute lebe, von einer Gang zusammengeschlagen, und in meinem Trauma im Spital habe ich angefangen, in meinem Kopf Klänge zu hören. Ich habe sie aufgeschrieben, aber es kamen immer wieder neue hinzu und ich musste diese Melodien loswerden, um mich zu befreien. So sind quasi als Therapie bisher sieben Konzerte entstanden, die sich meist mit fremden Kulturen beschäftigen.“ Für sein neuestes Werk wurde er durch den Film „Sieben Leben“ inspiriert, der sich mit Organspenden befasste. Dabei hat sich Shapira an seine verehrte ungarische Lehrerin Ilona Feher (1901–1988) erinnert und wollte ihre musikalischen Wurzeln in einem Doppelkonzert für zwei Violinen und Orchester ergründen: „Um nicht in das Klischee der ‚Zigeunermusik‘ zu verfallen, schuf ich dabei meine eigene Klangwelt im Sinne der Roma und Sinti – nicht als politisches Statement für die Integration dieser ethnischen Minderheit in unsere Gesellschaft, sondern als Ausdruck meiner eigenen Persönlichkeit. Das Material dazu habe ich aus sehr vielen Einflüssen bezogen wie Bartók, Ligeti, Folk Music oder Hip-Hop.“

„Sehr anspruchsvoll“

Der erste Satz befasst sich mit den Anfängen der aus Indien stammenden Roma im Mittelalter, bevor sie kommerzialisiert wurden. Der zentrale zweite Satz, „Potion“, beschreibt in einer Sequenz von 27 Noten eine traurige Liebesgeschichte aus dieser Volksgruppe, der dritte Satz, „Mulatas“, ist eine feierliche Abfolge verschiedener Tänze, eine Art Versöhnung im multikulturellen Sinn. Wie schwierig ist das Konzert zu spielen? Shapira: „Die beiden Soloparts sind sehr anspruchsvoll, mit neuen Techniken und halsbrecherischen Sprüngen. Aber auch beim Orchester gibt es viele Experimente im Klanglichen.“ Schuberts Ouvertüre im italienischen Stil und Beethovens „Pastorale“ bilden unter dem Motto „Klänge der Natur“ den Rahmen.

Konzert des Kammerorchesters „Arpeggione“: heute, Samstag,
12. Juli, um 20 Uhr in der Pfarrkirche St. Karl in Hohenems.