Von der Straße direkt ins Bild

Kultur / 15.07.2014 • 19:44 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ein achtlos weggeworfenes Bonbonpapier . . .
Ein achtlos weggeworfenes Bonbonpapier . . .

In der Bregenzer Galerie K12 hinterfragt die amerikanische Künstlerin d’Ann de Simone den Gang der Welt.

BREGENZ. (VN-ag) Snoopy und die Wolke der Atombombe, Versatzstücke aus der Wirklichkeit und Bilder aus der digitalen Welt, Gedrucktes und Gemaltes: In den Collagen der amerikanischen Künstlerin d’Ann de Simone (geb. 1966) in der Galerie K12 in Bregenz verschmilzt Gegensätzliches zu eigenwilligen Bildwelten.

Im abstrakt-figurativen All­over eines Bildes suchen wir nach einem Zuckerlpapier. Ein achtlos weggeworfenes Bonbonpapier, das deswegen so interessant ist, weil die Künstlerin es ausgerechnet in Bregenz auf der Straße aufgesammelt hat. Dort verbringt d’Ann de Simone im Sommer im Rahmen eines Studentenprojekts der Michigan State University, wo sie unterrichtet, regelmäßig einige Wochen. Am Einsatz des Abfallpapierchens lassen sich die künstlerischen Strategien der Amerikanerin, die die klassische, „schöne“ Ölmalerei vor rund zehn Jahren zugunsten digitaler Techniken und Collageverfahren hinter sich gelassen hat, exemplarisch ablesen. Mehr als nur ein Medium zur Bildgewinnung, ist die Collage zugleich auch philosophischer Zugang. Neben dem Transformationsprozess, den die Dinge durch Auffinden, Einscannen, Ausdrucken, Bemalen und Ins-Bild-Schleusen durchlaufen, spiegelt sich im aufgesammelten Bonbonpapier die Sorge der Künstlerin um die Umwelt. Noch deutlicher wird dieser Aspekt in den Arbeiten mit Baumrinde, in der sich das klimabedingte Verschwinden und Auftauchen einer bestimmten Baumart in den verschiedenen Regionen manifestiert.

Ernsthaft und ironisch

Darüber hinaus wird das direkt aus der Natur entnommene Rindenstück zur Basis für die mittels Frottage-Technik abgenommene Struktur, die im Bild als abstraktes Hintergrundmuster erscheint. Aber auch die digitale Technik, die die Künstlerin zur Bildgenerierung und –verarbeitung verwendet, wird durchaus auch kritisch betrachtet. „Wir befinden uns gegenwärtig in einem neuen Raum, der zwischen Realraum und virtuellem Raum angesiedelt ist. Die Technologie hält
uns darin gefangen“, sagt d’Ann de Simone, deren Bregenzer Ausstellung mit „The Space Between“ betitelt ist.

Im Versuch der Künstlerin, in ihren Arbeiten stets das Gleichgewicht zu finden, zwischen Ost und West, Sprache und Bild, individueller und kollektiver Erfahrung, Industriellem und Handgefertigtem, Natur und Künstlichkeit zu vermitteln, liegen aber nicht nur Ernsthaftigkeit, sondern auch viele ironische Momente. So verleihen ein aus einem Zylinder gezauberter Hase oder ein strickender Affe den Arbeiten aller Bedeutungsschwere zum Trotz auch einen witzigen, erfrischenden Touch.

. . . wird für die Künstlerin zum Kunstobjekt.  
. . . wird für die Künstlerin zum Kunstobjekt.  
Künstlerin d’Ann de Simone (geb. 1966). Fotos: ag
Künstlerin d’Ann de Simone (geb. 1966). Fotos: ag

Die Ausstellung ist in der Galerie K12, Kirchstraße 12 in Bregenz, bis 16. August geöffnet, Mi bis Fr 15 bis 17.30, Sa 10 bis 11.30 Uhr.