Die Musik ist ihre Welt

Kultur / 01.08.2014 • 19:25 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Stephanie Houtzeel (links) mit Janice Watson in „Katja Kabanova“ an der Wiener Staatsoper. Foto: APA
Stephanie Houtzeel (links) mit Janice Watson in „Katja Kabanova“ an der Wiener Staatsoper. Foto: APA

Stephanie Houtzeel ist Mezzosopranistin und tritt beim Lech Classic Music Festival auf.

Schwarzach. Zum dritten Mal wird heuer das Lech Classic Music Festival stattfinden. Stephanie Houtzeel wird in einem Konzert und als Orfeo auftreten. Sie mag aber auch Led Zeppelin.

Sie singen den „Orfeo“ in Lech. Worin liegt die Herausforderung?

Houtzeel: Ich singe zum ersten Mal diese Partie und es ist deshalb eine wunderbare Möglichkeit für mich, sie in Lech singen zu dürfen. Die Herausforderung dabei ist, dass die Partie sehr langsam und sanft beginnt. Darum muss man den Orfeo sehr fein nunancieren und entwickeln, sonst würde es eintönig werden.

Außerdem steht Mozart auf dem Programm: Haben Sie eine besondere Affinität zu Mozart oder gehört Ihre Leidenschaft doch dem Barock?

Houtzeel: Als lyrische Mezzosopranistin bewegt man sich in der Barockmusik und auch in der Klassik, aber auch im „Hosenrollenbereich“. Die Rollen haben alle eine instrumentale Linie. Das bedeutet, man muss auf einer Linie mit dem Orchester sein. Und das gefällt mir.

Haben Sie eine bevorzugte Rolle bzw. eine Lieblingsrolle?

Houtzeel: Bei Mozart ist Idamante meine komplette Lieblingsrolle. Es ist eine größere und längere Partie, sie ist im reiferen Mozartstil geschrieben. Bei Strauss ist es Oktavian und der Komponist. In diesen Rollen muss man auch eine große Bühnenpräsenz entwickeln, was ich toll finde.

Welche Partien möchten Sie sich noch erarbeiten? Haben Sie ein bestimmtes Fach im Auge?

Houtzeel Ich bin sehr konservativ bei der Entwicklung meiner Stimme, aber ich bin jetzt schon so lange im Geschäft, dass es langsam Zeit wird für den nächsten Schritt: Wagner. Ich wollte das nicht zu früh machen, doch meine Stimme und mein Körper sind jetzt ready für so eine Herausforderung.

Wie bewerten Sie selbst den Auftritt in Lech?

Houtzeel: Zum zweiten Mal bin ich nun schon hier und ich finde, es hat einen tollen Esprit. Weil das Festival noch relativ neu ist, sind alle leidenschaftlich engagiert. Persönlich freue ich mich darauf, weil ich da den Orfeo ausprobieren darf.

Damit kennen Sie den Ort Lech, wie gefällt es Ihnen dort?

Houtzeel: Ich war letztes Jahr zum ersten Mal da, es ist eine wunderschöne Gegend. Lech ist zwar als Skiort berühmt, aber hat auch im Sommer viel zu bieten. Wir fahren schon morgen hin, denn mein Mann spielt im Orchester und dort starten die Proben. Und unser Sohn kommt natürlich auch mit.

Sie sind in den USA aufgewachsen, was hat Sie nach Europa geführt?

Houtzeel: Das System, dass man fest engagiert ist, gibt es in Amerika nicht. Und wenn man frisch vom Studium kommt, bekommt man nur kleinere Rollen in den großen Häusern, somit ist es viel schwieriger, die Stimme zu entwickeln.

Ihr Vater ist Niederländer, Ihre Mutter Deutsche, Sie haben die amerikanische Staatsbürgerschaft, wohnen jetzt aber in Wien. Welchem Land fühlen Sie sich am ehesten zugehörig?

Houtzeel: Das ist eine sehr komplizierte Frage. Ich würde mich als europäische Sängerin bezeichnen im Sinne der intimen Liedkultur der europäischen Häuser. Doch in Amerika herrscht eine ganz andere Dynamik. Und ich glaube, diese macht einen großen Teil meiner Persönlichkeit aus.

Bei so einem stressigen Job: Was machen Sie dann in Ihrer Freizeit?

Houtzeel: Ich bin viel mit meiner Familie unterwegs. Da wir beide viel am Abend und an Wochenenden arbeiten müssen, achten wir darauf, dass wir unter der Woche viel Zeit miteinander verbringen. Wir wollen das nämlich nicht verlieren und uns nicht nur auf unsere Karriere konzentrieren.

Welche Musik hören Sie in Ihrer Freizeit?

Houtzeel: Ich höre gerne Musik ohne Stimme wie Barockmusik oder romantische Kammermusik. Aber ich höre auch gern Rockmusik aus den 70ern. Led Zeppelin ist absolut der beste Rockmusiker aller Zeiten.

Was steht als nächstes an?

Houtzeel: Im Juli habe ich mit Charles Spencer eine CD-Aufnahme gemacht mit dem Namen: „Nostalgie“. Das ist Musik, die Nostalgie in ihren Texten oder in ihrer Melodie in sich trägt. Und die kommt im Herbst heraus. Und in der Staatsoper spiele ich ab Herbst den Küchenjungen in Dvoráks „Rusalka“.

Zur Person

Stephanie Houtzeel

Geboren: in Deutschland, aufgewachsen in den USA

Wohnort: u. a. Wien

Fach: Mezzosopran

Werdegang: Ensemblemitglied an der Wiener Staatsoper. 2013 bei den Salzburger Festspielen in Verdis „Falstaff“ zu sehen. Zahlreiche Engagements u. a. in Mozart- und Barockopern.

Familie: verheiratet mit dem Musiker Charles William Brink, ein Sohn

Stephanie Houtzeel tritt im Rahmen des Festivals „Lech Classic Music“ auf, und zwar im Eröffnungskonzert am 5. August und am 9. August in der Partie des Orfeo.

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