Zwei Autoren im Selbstversuch

Kultur / 01.08.2014 • 17:52 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
David GordonMystery Girl411 SeitenSuhrkamp
David Gordon
Mystery Girl
411 Seiten
Suhrkamp

Krimis sind noch kein Freibrief zum Erfolg, aber unterhaltend, wie ein Amerikaner und ein Österreicher beweisen.

Romane. David Gordon ist ein junger amerikanischer Autor, der mit „Mistery Girl“ seinen ersten Roman vorlegt. Es ist eine Art Krimi, der in Kalifornien spielt. Sam Kronberg, ein Liebhaber trashiger Kunst und Avantgarde-Literatur, wird von seiner Frau verlassen. Diese steuerte auch den Großteil der Haushaltskosten bei, also muss sich Kronberg nach einem Job umschauen. Fündig wird er bei einem übergewichtigen Detektiv, der sich scheut, außer Haus zu gehen. Er soll eine gewisse Ramona Doon beschatten. Diese Dame ist auch titelgebend für den Roman: „Mistery Girl.“

Proust statt Porno

Kronberg ist leider nur ein Amateur-Schnüffler und ein kleiner Filou, der jedoch einen ausgezeichneten Kunstgeschmack hat. Mit dem Herrn über Film und Literatur zu plaudern, würde sich auszahlen. Auch die Betrachtungen von L.A. und Hollywood sind interessant, weil eben ungeschönt. Dass das Mistery Girl kein „sexy Girl“ ist, sondern eine kranke Dame, die aus einer Anstalt flüchtet, passt gut dazu. Laut Klappentext soll der Roman „Die Quintessenz aus Proust und Porno“ sind. Proust vielleicht, aber nicht Porno. Da hatten wir schon detailreichere Kost: Zum Beispiel „American Psycho“ von Bret Easton Ellis, oder Henry Millers „Opus Pistorum“. Sehr eigen wird der Roman in den Momenten, in denen sich der schrullige Detektiv öffnet und über die Beziehung mit dem Mystery Girl berichtet, hier kann man von einer guten Mischung aus Psychologie, Philosophie und Menschenverstand sprechen.

Kurz zur Erinnerung: Franzobel war 1995 Bachmann-Preisträger. Knapp 20 Jahre und einige Bücher später, unter anderem den damals hoch gehandelten Roman „Das Fest der Steine oder Die Wunderkammer der Exzentrik“, legt Franzobel nun seinen ersten Krimi vor. Somit ist er der einzige österreichische Autor, der sich – relativ erfolgreich – in allen literarischen Gattungen versucht hat. Aber was kann der Franz­obel-Krimi?

War es Selbstmord?

Der Inhalt ist flott erzählt: Edgar Wenninger ist ein 400-Meter-Läufer, Olympia-Bronze-Gewinner und x-facher Staatsmeister. Er wird wegen Doping verurteilt und begeht Selbstmord, indem er aus dem vierten Stock eines Wohnhauses im 6. Wiener Gemeindebezirk springt. Aber war es wirklich Selbstmord?

Es muss also ermittelt werden, mit Kommissar Groschen als Hauptfigur. Franzobel schrieb einen typisch österreichischen Krimi. Das heißt, der Krimi ist mit tollen Nachnamen gespickt, ist jedoch wie die österreichische Mentalität sehr träge. Da hat sich seit Alfred Komarek zu wenig getan. Ich glaube, hier wird zu wenig über den Plot nachgedacht, sonst könnte ja mehr passieren. Dass Franzobel hier den Doping-Wahnsinn im Sport hinterfragt, auch den „plötzlichen“ Rücktritt eines Stars im österreichischen Ski-Team, ist gut, es fehlt jedoch die große Skurrilität in den Figuren, die Franzobels Romane und Stücke immer auszeichneten. Netter Versuch, das nächste Mal aber bitte mit mehr Pfeffer.

FranzobelWiener Wunder222 SeitenZsolnay
Franzobel
Wiener Wunder
222 Seiten
Zsolnay

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