Das Böse singt sich halt so richtig gut

Kultur / 04.08.2014 • 22:34 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Souveräner Auftritt als Komponist, Dirigent und Chansonnier: HK Gruber bei den Bregenzer Festspielen. Foto: BF/Köhler
Souveräner Auftritt als Komponist, Dirigent und Chansonnier: HK Gruber bei den Bregenzer Festspielen. Foto: BF/Köhler

Friedrich Cerha, HK Gruber, Musik & Poesie – mehr braucht es nicht zum Glück.

Bregenz. (VN-cd) Was als kleiner Beitrag zum großen Festspielprogramm gestartet wurde, hat sich längst zu einem Publikumsmagneten gemausert. Wer sich ein knappes Jahrzehnt zurückerinnert, hätte sich allerdings auch Ausschnitte aus dem jüngeren Werk „Der Herr Nordwind“ von HK Gruber als Supplement zur Uraufführung der Oper „Geschichten aus dem Wiener Wald“ sehr gut vorstellen können. Schließlich sieht es Intendant David Pountney als Aufgabe der Bregenzer Festspiele, den Komponisten der Hauptproduktion im Festspielhaus mit seinem Werk sozusagen umfassend vorzustellen.

Im Falle des Österreichers HK Gruber (71) begann diese Auseinandersetzung schon vor zwei Jahren, als sich der Künstler im Rahmen eines Orchesterkonzertes der Wiener Symphoniker in der Rolle des Komponisten, Sängers und Dirigenten mit seinem „Frankenstein!!“ präsentierte. Nachdem der Klassiker aus dem Gruber’schen Repertoire auf Gedichten, besser gesagt, auf abgründig antiheroischen Reimen von HC Artmann (1921-2000) basiert, war davon auszugehen, dass Artmann bei der ersten Veranstaltung der Reihe Musik & Poesie eine Rolle spielt. Grubers Vortrag aus der „Zeitstimmung“ am Sonntagabend im aufgrund der Vorreservierungen dicht bestuhlten Seefoyer des Bregenzer Festspielhauses wird als einer der Glanzpunkte dieses Formats in die Festspielgeschichte eingehen.

Dass mit den „Drei Songs aus Gomorra“ Werke ins Programm aufgenommen wurden, die noch weiter zurückreichen, wird verständlich, wenn man sie mit der am Kornmarkt gezeigten, aus den frühen 1990er-Jahren stammenden Oper „Gloria von Jaxtberg“ in Verbindung bringt. Inwieweit Gruber einst von Weill oder Eisler beeinflusst war und vor allem wie melodiös er das Material zu steigern vermochte, wird ebenso rasch klar, wie die Erkenntnis, dass „Die drei Songs aus Gomorra“, diese abenteuerlichen Geschichten, niemals alt werden. Und das sicher nicht nur, weil sich das Böse halt so richtig gut singt.

Künstlerbegegnung

Selbiges gilt für die „1. Keintate“ von Friedrich Cerha (88), deren Aufführung in Bregenz in der Begegnung des Schöpfers mit dem Uraufführungs-Interpreten gipfelte. In den Jubel für HK Gruber mischte sich nämlich auch der Jubel für den anwesenden Komponisten. Dieses aus den 1980er-Jahren stammende Werk für einen Chansonnier und ein kleines gemischtes Ensemble nach Texten von Ernst Kein (1928-1985) versteht sich als unterhaltsam-kluge Auseinandersetzung mit  bekannten Wiener Volksliedern und deren Überführung in eine zeitgemäße Musiksprache. Auch bei relativ breit angelegtem morbiden Grundton (selbstverständlich geht es auch um die sprichwörtlich gewordene schöne Leich) gibt’s bei Gruber und dem Wiener Concert Verein keinerlei banale Effekte oder Raunzer. Vom Musikalischen her bleibt es eine haarscharfe Analyse der Möglichkeiten und deren grandiose Umsetzung, vom Inhalt her ist es intelligenter Spaß pur.

Wie wärs mit einer Metal-Oper?

Mit Bernhard Gander (45) hatte der Abend begonnen. Seine Sitcom-Oper „Das Leben am Rande der Milchstraße“ wurde, wie berichtet, am vergangenen Freitag in Bregenz mit drei Folgen gestartet. Sieben sollen es werden. Das brandneue Werk und seine „schlechtecharakterstücke“ aus dem Jahr 2009, ambitioniert dargeboten vom Ensemble „Phace“, verstärkten den Eindruck, dass man sich vom Osttiroler auch gut und gerne eine Metal-Oper vorstellen könnte. Aggressiv, aber anspruchsvoll ist der mit Aufbäumen (Gier, Neid, Geiz) und Abklingen (Lamento) einhergehende Sound.

Musik & Poesie, 10. August, 19.30 Uhr, Seestudio Bregenz: Aaron Pilsan (Klavier) mit Werken von Haydn, Schönberg und Schubert

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