Die Vorfreude auf den “Orfeo” erhöht

Kultur / 06.08.2014 • 20:58 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Lech Classic Music Festival findet heuer zum dritten Mal mit einem ambitionierten Programm statt. Foto: LZT
Das Lech Classic Music Festival findet heuer zum dritten Mal mit einem ambitionierten Programm statt. Foto: LZT

Nach diesem Start dürfen die Erwartungen beim Lech Classic Music Festival hoch sein.

Lech. Ein schmuckes Dorf, eine beeindruckende Bergkulisse und die Neue Kirche, die als angemessener „Austragungsort“ fungiert – Lech hat alles, was es dazu braucht, um Schauplatz eines kleinen, aber handverlesenen Musik-Festivals zu sein. Und es verwundert eigentlich, dass das Lech Classic Music Festival nicht schon viel früher den Weg in die Berge gewagt hat. Kurz und gut, nun ist es da und das bereits zum dritten Mal. Eine richtige Festival-Gemeinde hat sich bereits gebildet, und mit dem koreanischen Geigen-Virtuosen Edward E. S. Kim hat sich auch bereits der heimliche Star des Festivals gefunden. Der riss zum fulminanten Finale des Eröffnungskonzerts mit Paganinis Konzert für Violine und Orchester Nr. 2 in b-moll dann auch das versammelte Publikum von den Sitzen und zu Beifallsstürmen hin.

Dass man hier einem Könner lauscht, davon gab es im ersten Teil des Konzerts mit Schuberts Rondo A-Dur bereits einen kleinen Vorgeschmack. Mit Paganini aber war dann definitiv klar: Edward E. S. Kim ist ein Meister seines Fachs.

Überhaupt wurde das Eröffnungskonzert der Lecher Musik-Saison vom Solistischen dominiert. Da finden sich die Wiener Sopranistin Cornelia Horak und Siegfried J. Koch an der Trompete zu Bachs „Jauchzet Gott in allen Landen“ (BWV 51) zusammen, da lädt die Mezzosopranistin Stephanie Houtzeel zu Arien aus Händels „Ariodante“ und Mozarts „Idomeneo“, während Cornelia Horak den gesanglichen Reigen mit Mozarts „Come scoglio immoto resta“ aus „Cosi fan tutte“ komplettiert.

Und auch Siegfried J. Koch, der sich bei Bach noch mit Horak in den musikalischen Dialog vertiefte, spielte sich im zweiten Teil des Konzerts mit Haydns Konzert für Trompete und Orchester in Es-Dur solistisch in den Vordergrund.

Ein kleines Detail am Rande: Das Festival-Orchester, ein Projektorchester, das sich Jahr für Jahr neu zusammenfindet, erwies sich während des gesamten Konzerts als stabiler Begleiter der jeweiligen Solisten. Allein bei Paganini suchten sie doch die Hilfe eines lenkenden und bündelnden Dirigenten, der mit Vito Cristofaro auch tatsächlich noch auf die Schnelle gefunden werden konnte.

Perfektes Beispiel

Cristofaro, seines Zeichens Kapellmeister am Innsbrucker Landestheater, wird am kommenden Samstag die konzertante Aufführung von Glucks „Orfeo ed Euridice“ dirigieren und war schon einige Tage früher angereist. Spontan und unkompliziert erklärte er sich dazu bereit, seine Lech-Premiere vorzuverlegen. Schon allein dafür hätten ihm die Standing Ovations gebührt, die er sich mit Edward E. S. Kim und den Orchestermusikern teilte. Und eigentlich ist das auch schon das perfekte Beispiel für den Charakter des Festivals, das ja ein ambitioniertes Programm vorlegt. Es ist ein Festival, das Künstler nach Lech holt, die ansonsten wie zum Beispiel Stephanie Houtzeel bei den Salzburger Festspielen oder Cornelia Horak an der Wiener Volksoper und am Münchner Theater am Gärtnerplatz zu hören sind. Sie kommen nach Lech, musizieren gemeinsam und wenn sich ein unvorhersehbarer Engpass ankündigt, dann springen sie eben füreinander ein. Auch das hat mit Können zu tun, das allseits mit kräftigem Applaus belohnt wurde.

Festival: 7., 8. August: Werke von Mozart, Hummel und Brahms;
9. August: Gluck „Orfeo ed Euridice“, jeweils 17 Uhr, Neue Kirche; www.lech-classic-music-festival.com

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.