Musik, der man gerne viele Rosen streut

Kultur / 10.08.2014 • 21:57 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Dass Bildstein besonders ist, steht seit Urzeiten fest, dass man hier gut musiziert, seit etwa 25 Jahren.

Bildstein. (VN-vf) Man hatte ein kleines Jubiläum zu feiern in der barocken Wallfahrtskirche von Bildstein. Seit einem Vierteljahrhundert nämlich ist sie Austragungsort eben jenes Barockkonzerts, das als Teil der Bregenzer Festspiele begonnen und sich schließlich verselbstständigt hatte.

Bis auf den letzten Platz besetzt war die Barockkirche hoch über dem Rheintal am gestrigen Sonntagvormittag, die Karten seit Wochen so gut wie ausgebucht. Und man versteht den Run auf die Konzerttickets, wenn man selbst in den Genuss gekommen ist, eine davon zu ergattern. Gut programmiert und aufs Perfekteste musiziert, lud das Barockensemble der Wiener Symphoniker unter der Patronanz von Rita und Dr. Herbert Batliner also zum Jubiläumskonzert.

Ensemble eigens gegründet

Kleines Detail am Rande: Das Barockensemble der Wiener Symphoniker – heute besetzt mit Willy Büchler, Edwin Prochart, Libor Meisl, Helmut Lackinger und Wolfgang Schuchbauer (Violine), Christian Ladurner und Ulrich Schönauer (Viola), Andreas Pokorny (Violoncello) sowie Ivan Kitanovic (Kontrabass) – wurde 1989 sogar eigens für die Konzerte in Maria Bildstein gegründet, wobei Christian Birnbaum, Dirigent des Ensembles, einräumte, dass er beim ersten Konzert zwar noch nicht persönlich dabei war, aber umso glücklicher ist, diese Tradition bis heute fortführen zu dürfen.

Birnbaum spannte mit Georg Friedrich Händels Arie „Let the bright Seraphim“ aus dem Oratorium „Samson“, Vivaldis „Invicti bellate“, Torellis „Sonata a cinque Nr. 1“ und Pergolesis „Stabat mater“ den musikalischen Bogen über die gesamte Epoche des Barock auf. Ohne, dass ein Werk dem anderen unnötige Konkurrenz machen wollte, entwickelte sich Pergolesis „Stabat mater“ zum Glanz- und Herzstück des Konzerts. Wunderschön, wie hier die Sopranistin Julia Koci und die Altistin Martina Gmeinder sich im musikalischen Dialog untereinander und mit den Musikern wiederfanden. Einfühlsam, kräftig und dann doch wieder ganz zart und feingliedrig gestalteten sie Satz für Satz dieses beeindruckenden und berührenden Werks.

Glockenrein im Klang

Zuvor hatten beide Künstlerinnen mit Händels Arie (Julia Koci) und Vivaldis Motette (Martina Gmeinder) solistische Auftritte absolviert. Und was will man sagen – lebendig-sprühend das Loblied auf die starken Seraphime, dynamisch und gleichzeitig getragen und ruhig Vivaldis „Invicti bellate“. In dieses solistische Trio reihte sich der Trompeter Heinrich Bruckner geradezu grandios ein. Torelli, der seine „Sonata a cinque Nr. 1“ für Virtuosen seiner Zeit geschrieben hatte, kannte Bruckner noch nicht. Denn ansonsten hätte er wohl nur noch für ihn komponiert. Glockenrein im Klang fühlte Bruckner sich sichtlich wohl, und das hörte man. Und nicht vergessen darf man auch den Feldkircher Domorganisten Johannes Hämmerle, der für das Barockkonzert die Orgel gegen das Cembalo eintauschte und für einen fließenden Basso continuo sorgte.

Nach Haaren in der Suppe zu suchen, wäre schlichtweg verlorene Müh. Es stimmte alles, der Ort, die Musik, der Gesang. Aber dass sie alles sehr richtig gemacht hatten, das war allen Musikern spätestens beim Schlussapplaus klar, als ihnen ihr Publikum mit stehenden Ovationen Rosen streute.

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.