Ein musikalisches Friedensprojekt

Kultur / 11.08.2014 • 21:46 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Kian Soltani beim jüngst erfolgten Auftritt mit Daniel Barenboim und Martha Argerich.  Foto: Manuel Vaca
Kian Soltani beim jüngst erfolgten Auftritt mit Daniel Barenboim und Martha Argerich. Foto: Manuel Vaca

Vorarlbergs musikalisches Ausnahmetalent Kian Soltani hat einen neuen Meilenstein in seiner Karriere erreicht.

Bregenz. (VN-jal) Nach einer Empfehlung durch einen Freund Barenboims und einer förmlichen Bewerbung wurde Soltani zu einem persönlichen Vorspielen eingeladen. Dieser war begeistert über das Können des erst 21-jährigen Vorarlberger Cellisten und nahm ihn in sein West Eastern Divan Orchestra, welches zwei Mal jährlich auf Tournee geht, auf. Die Arbeit mit dem Stardirigenten, der 2014 nach mehrjähriger Pause wieder das Wiener Neujahrskonzert dirigiert hat, beschreibt Soltani als einzigartig und bereichernd. Als besonders herausfordernd bezeichnet er die Werke Wagners, die trotz der in Israel mitunter gehegten Abneigung gegenüber dem von den Nationalsozialisten verherrlichten Kompons­iten, von Barenboim immer wieder gespielt werden. Momentan ist seine Interpretation von „Tristan und Isolde“ im Rahmen der Tournee, die von Argentinien über Luzern nach Salzburg, London und Berlin führt, zu hören. Aber auch die anderen Künstler im Orchester bereichern die musikalischen Erfahrungen des jungen Vorarlbergers. Besonders die Zusammenarbeit mit Martha Argerich, der weltberühmten argentinischen Pianistin, empfindet er als Ehre.

Symbol der Hoffnung

Das West Eastern Divan Orchestra wurde 1999 durch den verstorbenen Literaturwissenschaftler Edward Said und David Barenboim ins Leben gerufen, um die Verständigung zwischen Israel, Palästina und der arabischen Welt zu fördern. Soltani fühlt sich dieser Idee sehr verbunden, betont die Bedeutung eines solchen Projekts gerade während der Konflikt zwischen Israel und Palästina wieder zahlreiche Menschenleben fordert. Man sehe dadurch, dass die Welt nicht nur aus dem besteht, was uns Regierungen und politische Organisationen versuchen weis zu machen.

Während der Tournee hält das Orchester regelmäßige Dikussionsrunden ab und versucht so die Verständigung zwischen den Musikern aus verschiedenen Ländern, die im Orchester mitwirken, zu fördern. Barenboim ließ sogar extra wegen der momentanen Flugsperre in Israel einen Privatjet organisieren, um Musiker zum Konzert auszufliegen. Obwohl die Diskussionsrunden oftmals sehr emotional geführt werden, ist der Umgang miteinander stets respektvoll und menschlich, wie Soltani betont. Der Cellist wird auch 2015 an den Tourneen des West Eastern Divan Orchestra teilnehmen. Dann steht er als Solist mit Beethovens Tripelkonzert  auf der Bühne. Dieses Werk für Cello, Geige und Klavier stellt höchste Anforderungen an die Interpreten. Nach der Tournee zieht es Soltani nach Deutschland. Nachdem er sein Studium in Basel mit dem Bachelor abgeschlossen hat, wird er ab Herbst an der Kronberg Academy studieren. Daneben wird er natürlich ein Reihe von Konzerten spielen.

Ich sehe dieses Projekt als ein Symbol der Hoffnung.

Kian Soltani

Nächste Konzerte mit Kian Soltani: Luzern (17., 18. August); London (20. August); Salzburg (21., 22. August); Berlin (24. August)

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