Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Good bye, great Mr. Pountney!

Kultur / 15.08.2014 • 22:28 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Der Pressereferent der Bregenzer Festspiele, Axel Renner, hat vor einigen Tagen in der ORF-Sendung „Ansichten“ bei Johannes Schmidle gemeint, dass man die Ära David Pountney bei den Festspielen nicht für sich alleine beurteilen könne. Man müsse auch die Zeit von Intendant Alfred Wopmann berücksichtigen, ja sogar die Zeit der Gründer aus dem Jahre 1946 im Auge haben. Die „beherzten Männer“, die gleich nach dem Krieg, in einer Zeit, da man nicht einmal die Teller voll hatte, im Bregenzer Gondelhafen Oper gespielt haben, hätten einen geradezu beispiellosen kulturellen Überlebensgeist gezeigt. Wopmann habe diese Idee fortgesetzt, Pountney noch erweitert. Pountney stehe also am Ende einer Kette von Menschen, denen Kunst und Kultur am Bregenzer Bodenseeufer Lebensaufgabe gewesen sei.

Wir erleben derzeit die letzten Tage der Intendanz von David Pountney, und so sei es jeder und jedem verziehen, der eine stille oder auch öffentliche Träne weint. Vor allem könnte das eintreten beim letzten Orchesterkonzert mit dem Symphonieorchester Vorarlberg am 24. August. Pountney: „Ein Konzert, welches garantiert ein besonderer Höhepunkt wird, steht doch unter anderem Mozarts ‚Der Schauspieldirektor‘ auf dem Programm, der die klassischen Sorgen und Nöte von Direktoren und Intendanten widerspiegelt.“ Zum Abschluss macht sich Pountney also selbst ein Geschenk – und ich denke, wir können das durchaus wörtlich nehmen, denn es wäre nicht Pountney, wenn er nicht noch eine Überraschung parat hätte.

Einen Dank, wie er besser nicht sein könnte, haben schon zu Beginn der Festspiele Axel Renner und Dorothée Schaefer mit dem Buch „Der fliegende Engländer“ überbracht. Geradezu opulent lassen sie hier die elf Jahre der Pountney-Intendanz in Bild und Text vorüberziehen – und da findet der Betrachter vieles, das auch bei ihm wunderbare Erinnerungen weckt. Die Herausgeber Renner und Schaefer haben sich selbst – dafür ein besonderes Lob – nur im Vorwort eingebracht, die Texte kommen von unglaublich vielen Künstlern und Mitstreitern, eine lustvoll bunte Mischung, die nicht nur David Pountney selbst, sondern auch seinem bunten Outfit gerecht wird.

Pountney hat uns ein Jahrzehnt lang spannende, großartige Aufführungen in Bregenz geboten. Dankbar sage deshalb auch ich: „Good bye, great Mr. Pountney!“

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
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