Nur eine Puppe auf einem Tisch?

Kultur / 15.08.2014 • 22:23 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
The Blind Summit Theatre unter Mark Down bereitet auch im kleinen Format großes Vergnügen.  Foto: BF
The Blind Summit Theatre unter Mark Down bereitet auch im kleinen Format großes Vergnügen. Foto: BF

„The Table“ verheißt pures Leben, Illusion, biblische Geschichten und enormen Spaß.

Bregenz. Nicht einmal einen Meter groß, bestehend aus Pappkarton, Stoff, vielleicht noch aus etwas Plastik und irgendeinem Füllmaterial. Mehr ist an diesem Moses nicht dran und dennoch dauerte es nur ein paar Minuten, bis die Präsenz dieser Figur den ganzen Raum des Theaters Kosmos füllte. Wenn er sich des Lebens freut, wenn er Geschichten erzählt oder wenn er (improvisiert oder nicht) wie gestern Abend seine Zuschauer inbrünstig um Hilfe anfleht, bleibt niemand ungerührt. Dabei erlebte man kein Kindertheater, sondern eine Aufführung im Rahmen der Bregenzer Festspiele, besucht von Publikum in vorwiegend gesetztem Alter.

Die Vorstellungskraft verlangt nicht nach Rückerinnerung an Kindertage, sie wird geweckt, sobald ein Puppenspiel funktioniert, sobald Materie zu leben beginnt, und einer, der diesen Effekt nicht nur phänomenal beherrscht, sondern dabei auch noch die Mechanismen erläutert, ist Mark Down, Leiter des Blind Summit Theatre.

Von der Kröte auf den Tisch

Mark Down und Nick Barnes sind jene Künstler, auf die David Pountney setzen konnte, als er die Idee hatte, Mozarts „Zauberflöte“ auf der Bregenzer Seebühne zum Teil auch mit Puppen zu realisieren. Die kurios bewegten Vögel in dieser Dschungelwelt gehen auf das Konto der beiden Briten. In Bregenz nun zu zeigen, welch große Leistungen sie auch auf ganz kleinen Bühnen erbringen, zählt zu den besten Ideen, die der Intendant bei der Programmierung der „Kunst aus der Zeit“-Schiene haben konnte. Und „The Table“ ist letztlich auch mehr als ein bloßes Gastspiel, sieht Mark Down es als Pupppenspieler neben seinen Bühnenkollegen Irena Stratieva und Sean Garratt doch auch als Aufgabe, spontan auf jeweilige Situationen oder Stimmungen im Saal zu reagieren.

Die Leute daran zu erinnern, dass sie es einmal nicht mit der großen Schildkröte auf dem Wasser, sondern mit einem kleinen Tisch als Podium zu tun haben, zählt ebenso zu den witzigen Einschüben wie die Reaktion auf die Übertitelung des englischen Textes in deutscher Sprache.

Dass bei all diesem Spiel mit Illusion und Realität inklusive der Erläuterung der Spieltechnik, die auf einer japanischen Tradition basiert, so viel Philosophisches über göttliche Weisung und menschliches Handeln über die Rampe kommt, ist ein großes Theaterereignis im Kleinen. Wenn man Figurentheater beherrscht, ist es halt nicht nur eine Puppe auf einem Tisch (wie Moses entschuldigend meint), sondern alles, was Theater bzw. Kunst überhaupt kann.

Mark Down ist auch für das Puppenspiel auf der „Zauberflöten“-Bühne verantwortlich. Diese Produktion läuft noch bis 25. August

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