Churchill und Chaplin – ein durchaus anregendes Vergnügen

Kultur / 22.08.2014 • 22:24 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
   
   

Roman. (VN) Dass Winston Churchill, der Politiker und Staatsmann, und Charlie Chaplin, der Künstler und große Komiker, einander mehrmals begegnet sind, wurde für die Nachwelt auch in Bildern und sogar filmisch dokumentiert. Es macht uns mit der Arbeitsweise von Michael Köhlmeier vertraut, wenn der Vorarlberger Schriftsteller festhält, dass die beiden Persönlichkeiten beim Schreiben an seinem großen Roman „Abendland“ aufgetaucht sind. Mit dem Werk spannte er einen Bogen über das 20. Jahrhundert. Nun sind Churchill und Chaplin die Hauptfiguren im Roman „Zwei Herren am Strand“.

Es ist ein Treffen, das der Autor entwirft – als Spaziergang nachts am Meeresufer, als Flucht vor einem Fest, als Beginn einer Freundschaft. Oder mehr, als Beginn einer Auseinandersetzung über das Leben, die Kunst, das Schaffen von Kunst, als Allianz gegen einen inneren und einen äußeren Feind.

Winston Churchill wurde von Depressionen attackiert, Chaplin befielen sie kurz vor der Fertigstellung eines Films. Beide haben sie sie immer wieder überwunden, auch den äußeren Feind, der eine als Politiker, der andere als Künstler.

Überwindungsstrategien zum Thema einer Geschichte zu machen, in der wiederum der erzählerische Aspekt selbst zum Tragen kommt, das allein verleiht dem Buch bis zur letzten Seite Spannung. Die sorgfältige Behandlung politischer Ereignisse gibt ihm weiteren Tiefgang, und den Handlungssträngen mit eingeführten Chaplin- und Churchill-Vertrauten zu folgen, gerät zum anregenden Vergnügen.

Michael Köhlmeier: „Zwei Herren am Strand“, Roman, Verlag Carl Hanser München, 256 Seiten, erhältlich ab 25. August

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