Er hat allen Grund zu lachen

Kultur / 22.08.2014 • 20:56 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Sarastro-Szene aus der „Zauberflöte“ auf dem See. Die Salzburger Gemeinde St. Wolfgang hat Interesse am Kauf der Handskulpturen aus dem Bregenzer Bühnenbild angemeldet.  Foto: VN
Sarastro-Szene aus der „Zauberflöte“ auf dem See. Die Salzburger Gemeinde St. Wolfgang hat Interesse am Kauf der Handskulpturen aus dem Bregenzer Bühnenbild angemeldet. Foto: VN

David Pountney verlässt die Bregenzer Festspiele mit einem Rekordergebnis.

Bregenz. (VN-cd) Bevor gestern wieder rund 7000 Menschen zu einer Aufführung der „Zauberflöte“ auf der Bregenzer Seebühne geströmt sind und einige mit einem „Suche Karte“-Schild auf ein doch noch erhältliches Ticket für die seit Langem ausverkauften Vorstellungen hofften, gaben die Bregenzer Festspiele die vorläufige Bilanz der am kommenden Montag zu Ende gehenden Saison bekannt. Das Ergebnis hat sich bereits abgezeichnet: Wenn es zu keiner Regenabsage kommt, beendet David Pountney seine Intendanz in Bregenz nämlich mit einem Besucherrekord. In Zahlen ausgedrückt heißt das, dass heuer insgesamt 203.698 Musiktheaterfreunde das Spiel auf dem See sahen und 263.241 Leute zu den Festspielen gekommen sind. Insgesamt wurde die „Zauberflöte“, die im letzten Jahr Premiere hatte (und 2013 ohne witterungsbedingten Ausfall durchlaufen konnte), von rund 406.000 Menschen gesehen.

Vertrauen gewonnen

Pountney, der nicht nur erwartungsgemäß eine außergewöhnliche Open-Air-Inszenierung hinlegte, sondern die berühmte Mozartoper auch etwas anders deutete, kommentierte den Erfolg mit (britischem) Understatement und bezog die Anziehungskraft des Stücks auf Mozart. Es sei kein großes Ding, eine hohe Auslastung für die „Zauberflöte“ zu bekommen, wenn eine Uraufführung wie die „Geschichten aus dem Wiener Wald“ von HK Gruber jedoch zu 97 Prozent ausgelastet sind, dann zeige das, dass man das Vertrauen des Publikums gewinnen konnte. Pountney: „Ich bin froh und dankbar, dass ich in Bregenz diese Unterstützung erfahren habe, wenn man Jahr für Jahr mit unbekannten Komponisten daherkommt, sagen nicht automatisch alle: Ja, mach das.“ Das gute Ergebnis solle man, so Pountney, dazu nützen, dass alle in Österreich und Vorarlberg erkennen, welchen Schatz man mit den Bregenzer Festspielen hat.

Mit den Worten, dass es ein Privileg war, mit den mutigen Menschen in Bregenz zu arbeiten, bedankte er sich bei seinen Mitarbeitern und Mitstreitern, verwies augenzwinkernd auf mögliche Mentalitätsunterschiede zwischen England und Österreich, er müsse nämlich jene enttäuschen, die meinen, er ginge mit einer Träne, er gehe mit einem Lachen, „weil es so fabehaft war“.

Das Lachen griff der kaufmännische Direktor Michael Diem angesichts einer „traumhaften“ Gesamtauslastung von über 90 Prozent aus. 14 Millionen Euro haben die Festspiele in diesem Jahr am See eingenommen. Diem: „Das Geld haben wir bereits gerne wieder investiert, und ein bisschen legen wir zurück, damit wir später auch noch viel Kraft besitzen.“

Das Wetter war in diesem Sommer bekanntermaßen weit weniger gut als das Ergebnis. Dafür, dass oft auch bei zweifelhafter Witterung gespielt wurden, haben sich, so Festspielsprecher Axel Renner, sehr viele Besucher schriftlich bedankt. Vor der Entscheidung zum Spiel ruft die Festspielleitung nicht nur mehrere Wetterstationen ab, man bespricht, so Diem, die Situation auch mit den Künstlern, die meistens mit dem Daumen nach oben zeigten.  „Diesen Sommer war es oft notwendig, dass wir an die Grenzen gingen, andernfalls hätten wir viele Aufführungen verloren.“

Obwohl die „Zauberflöte“ die bestbesuchte Oper seit der Festivalgründung im Jahr 1946 ist, ist ein anspruchsvolles Gesamtprogramm ohne Subventionsanpassung nicht mehr zu realisieren. Die Tatsache wurde bereits mehrfach thematisiert. Auch ab dem nächsten Jahr, wenn Elisabeth Sobotka die Intendanz übernimmt, wird das zeitgenössische Musikschaffen berücksichtigt. Demnächst werden, so Festspiele-Präsident Hans-Peter Metzler, die Verhandlungen mit dem Bund wieder aufgenommen.

Wir dürfen uns freuen, aber keine Frage, demnächst finden Verhandlungen mit dem Bund statt.

Hans-Peter Metzler

Es sollten alle in Vorarlberg und Österreich erkennen, welchen Schatz man mit den Festspielen hat.

David Pountney

Die letzte Aufführung der Oper „Die Zauberflöte“ auf der Bregenzer Seebühne findet am 25. August statt.

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