Gurus und Geschäfte

Kultur / 22.08.2014 • 18:32 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Welchen Preis hat unser Bedürfnis nach Heilung? Kabelka verpackt die Diskussion in einen spannenden Krimi. Foto: Kabelka
Welchen Preis hat unser Bedürfnis nach Heilung? Kabelka verpackt die Diskussion in einen spannenden Krimi. Foto: Kabelka

Sola venenum facit, allein die Menge macht das Gift, pflegte schon der berühmte Arzt Paracelsus zu sagen.

Roman. (VN-jal) Die Geschichte „Gesundes Gift“ von Franz Kabelka beginnt mit dem Mord an der indischen Frau Meera. Sie wurde nicht kaltblütig ermordet, jedoch wurde die Gefahr für ihr Leben jahrelang in Kauf genommen. Vergiftet durch Schwermetalle bei der Herstellung von Produkten, die uns eigentlich heilen sollen. Ayurveda, eine alte indische Heilungspraktik, gewinnt auch in der westlichen Welt immer mehr Zuspruch, und deshalb muss der Nachschub an vermeintlich heilsamen Produkten gesichert werden.

Frieda Prohaska hält von diesen Heilpraktiken nicht viel. Die Journalistin und studierte Chemikerin gibt sich ihrer Alkohol- und Nikotinsucht hin und ist wenig interessiert, daran etwas zu ändern. Auch ihr „Lebensabschnittpartner“ Leo, der umso angetaner ist von fernöstlichen Heilpraktiken, kann daran nichts ändern. In dieser Beziehung verpackt der in Feldkirch lebende Autor geschickt das große Thema des Buches: den Grabenkrieg zwischen Schulmedizin und alternativen Heilpraktiken. Ein Thema, welches immer virulenter wird. Auch sonst geizt der Autor nicht mit aktuellen gesellschaftspolitischen Reizthemen, sowohl westlichen als auch indischen. Denn Kabelka erweist sich auch als exzellenter Kenner des Subkontinents und beschreibt die dortigen Verhältnisse und Probleme sowohl aus der Sicht der Österreicherin als auch aus der Sicht von Ajith, einem skrupellosen Handlanger der Ayurveda-Industrie, die vor nichts zurückschreckt, um ihre Interessen zu wahren. Das indische Kastensystem, Massenvergewaltigungen und der unglaubliche Gegensatz zwischen Arm und Reich sind nur einige der Themen, die im Buch angesprochen werden. Frieda begibt sich nach dem ungewöhnlichen Ableben eines Journalistenkollegen, der bezüglich der Vorwürfe gegenüber Heilung versprechenden Produkten in Indien recherchiert hat, auf dessen Spuren, und obwohl sie ihre Ayurvedakur vorzeitig abbricht, entdeckt sie während ihrer Indienreise alte Tugenden wieder und verzichtet manchmal freiwillig und oft unfreiwillig auf ihre Laster.

Perspektivenwechsel

Die Beschreibungen von Landschaft und Personen wirkt stets authentisch sowohl in Bezug auf Indien als auch die anderen Schauplätze Österreich und Nordamerika, zwischen denen der Erzählstrang wechselt. Die Hintergründe der Durchführung von Ayurveda sowie die Produktion der Heilprodukte sind äußerst gut recherchiert und gespickt mit Fachinformationen. Nachdem sich die Geschichte zu Beginn sehr langsam entwickelt, nimmt sie im Verlauf des Buches schnell an Fahrt auf, und gerade die Wechsel der Perspektiven der Hauptcharaktere bringen besondere Spannung für den Leser.

Gurus und Geschäfte

Franz Kabelka: „Gesundes Gift“, Verlag Styria Premium, 335 Seiten

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