Traumhaft in allen Sätteln gerecht

Kultur / 24.08.2014 • 21:59 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Solisten Laura Claycomb und Paul Schweinester mit dem SOV.
Solisten Laura Claycomb und Paul Schweinester mit dem SOV.

Das SOV präsentierte sich bei der Pountney-Abschiedsmatinee in Höchstform.

BREGENZ. Es ist zweifellos ein Beweis von Wertschätzung, dass Pountney seinen künstlerischen Abschied von Bregenz nicht dem „Hausorchester“, den Wiener Symphonikern, anvertraut hat, sondern unserem Symphonieorchester Vorarlberg, das schon seit vielen Jahren mit regelmäßigen Konzerten und Opern am Kornmarkt zu einem festen Bestandteil dieser Festspiele geworden ist. Daran erinnerten gestern auch die „Symphonic Dances“ aus Bernsteins „West Side Story“ von Pountneys erstem Jahr 2004, verantwortet noch von seinem Vorgänger Alfred Wopmann.

Wenn auch als Quintessenz der gestrigen Matinee der zweite Teil mit der geistreich geschliffenen Umdichtung von Mozarts „Schauspieldirektor“ durch den scheidenden Intendanten in Erinnerung bleiben wird, so ist auch der erste, konzertante Teil doch weit mehr als eine bloße Aufwärmrunde, um das Publikum für den nachfolgenden Spaß in Stimmung zu bringen. Das Symphonieorchester Vorarlberg ist in großer Besetzung aufgefahren, die Musiker sind sich des besonderen Anlasses bewusst, spielen ungeheuer motiviert, als ob jeder von ihnen an der Stuhlkante säße und bringen bei Gershwin auch gleich jene jugendlichen Eigenschaften ins Spiel, die sie jedem saturierten Beamtenorchester voraushaben: das Feeling für Jazz, für swingende Elemente, für jenen Drive, wie ihn Bernstein in seinen Werken verlangt.

Reserven mobilisiert

Da braucht der wie immer mit großem Körpereinsatz und voller Präsenz agierende Chefdirigent Gérard Korsten praktisch nur noch mit dem Finger zu schnippen, um diese Bestandteile abzurufen und die letzten Reserven zu mobilisieren – schon wird daraus eine Galavorstellung, die bei aller lässigen musikalischen Freiheit auch nichts an Präzision und Perfektion in der Feinabstimmung vermissen lässt. So wird die bekannte „Candide“-Ouvertüre mit ihrem modernen Gassenhauer-Charakter zu einem musikalischen Kraftwerk, das dem Orchester einen glänzenden musikalischen Auftakt für einen besonderen Vormittag verschafft.

Danach kommen die unverwüstlichen Melodien aus der „West Side Story“ gerade recht. Das ist weit mehr als ein „Reader’s Digest“-Medley, eine bloße Aneinanderreihung der populärsten Melodien aus seinem Musical, die der Großmeister der gehobenen amerikanischen Unterhaltung da mit viel Fantasie in ein neues symphonisches Gewand gesteckt hat. „Somewhere“ erklingt zunächst im zarten Streichquartett, dem Mambo gibt die explosive Schlagzeugertruppe Stoff, Tonys Liebeslied „Maria“ wird zum Cha-Cha hochstilisiert, der Song „Cool“ zur kunstvollen Fuge. Immer wieder werden die Solisten aus den Reihen des Orchesters mit Konzertmeisterin Monika Schuhmayer, mit Flöte, Marimba und Horn gefordert. Korsten bringt das alles effektvoll in rhythmischer Intensität, klanglicher Opulenz und glühenden Farben auf die Reihe und sorgt auch für perfekt ausgelotete Übergänge.

Einige Minuten später generieren die Musiker im Singspiel auch einen traumhaften Mozart-Klang, elegant, ausgewogen und voll innerer Lebendigkeit. Immerhin werden neben der kunstvollen Ouvertüre auch das berühmte „Bandl-Terzett“ und das Finale im Original musiziert, daneben zeigt sich das Orchester auch bei den vielen Zitaten in allen Sätteln gerecht und mit der penetranten Glockenspiel-Melodie aus der „Zauberflöte“ auch für jede Gaudi zu haben.

Hörfunkwiedergabe: 31. August, 19.30 Uhr, Ö1

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