Wer dem KUB Glanz verleiht, gewinnt

Kultur / 26.08.2014 • 19:17 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Das Kunsthaus Bregenz braucht eine neue Leitung. Die Kandidatenliste ist lang – Vorarlbergerinnen und Vorarlberger sind durchaus dabei.  Foto: Sagmeister
Das Kunsthaus Bregenz braucht eine neue Leitung. Die Kandidatenliste ist lang – Vorarlbergerinnen und Vorarlberger sind durchaus dabei. Foto: Sagmeister

Kandidaten gibt es, doch die Suche nach der Kunsthaus-Leitung dauert länger an.

Bregenz. Der Name der aus Bludenz stammenden und etwa in Berlin erfolgreich gewesenen Kathrin Rhomberg fällt immer wieder einmal, wenn davon die Rede ist, wer Yilmaz Dziewior, dem Noch-Direktor des Kunsthauses Bregenz, im kommenden Jahr nachfolgen könnte. Hans-Ulrich Obrist, der sich beim letzten Bestellungsprozedere vor knapp sechs Jahren zurückzog, weil er an dieser Stelle als Nummer-eins-Kandidat entlarvt wurde, gilt in Künstlerkreisen nach wie vor als profunde Nummer, wenn es darum geht, dem Kunsthaus Bregenz wieder neuen Glanz zu verleihen. Der Smiley, den Barbara Kruger dem Haus vor einiger Zeit verpasste (siehe Bild), spiegelte sich zwar schön im See, die Strahlkraft des Zumthor-Baus hat er nicht erhöht. Obrist hat ähnliche Netzwerke wie Eckhard Schneider, der im KUB vor Dziewior für Remmidemmi sorgte, sich dann aber in Richtung Kiew ins Pinchuk-Imperium vertschüsste.

Thema Budget

Neben ihm hat das KUB allerdings auch einen Sponsor verloren. Welchen Tausendsassa man sich auch immer an Land ziehen möchte, ob das Budget mit damals vergleichbar ist, bleibt dahingestellt. Berührt davon ist jedoch auch grundsätzlich das Engagement der höher dotierten Fachleute aus der Schweiz. Neben dem erwähnten Obrist könnte das auch Fabrice Stroun sein, der die Kunsthalle Bern verlassen hat. Und für einiges, das heißt besonderes Aufsehen würde es wohl sorgen, wenn das Kunsthaus Bregenz in Zukunft von jener Bice Curiger geleitet wird, die der Biennale Venedig vor einiger Zeit einen besonderen Charakter verlieh. Die erfahrene Kunsthistorikerin, die lange Zeit in Zürich tätig war bzw. ist, kennt zudem auch die Region bestens. Die Besucher intellektuell ebenso herauszufordern wie sie zu unterhalten, ist ihr auf jeden Fall zuzutrauen. 

Thema Zeit

Bis jetzt steht fest, dass man sich in der Kulturabteilung des Landes, das heißt sozusagen in der Oberaufsichtsstelle der Kulturhäuser Betriebsgesellschaft, zu der das KUB gehört, mit den ersten Hearings bis weit nach den am 21. September stattfindenden Wahlen Zeit lassen will. Jene Fachleute, die die Findungskommission mit dem Blick von außen aufrunden sollen, sind noch nicht genannt und stehen – ungeachtet davon, ob Konrad Bitterli vom Kunstmuseum St. Gallen dabei ist oder nicht – noch nicht fest. Wie berichtet, kommt Winfried Nussbaummüller, dem Leiter der Kulturabteilung des Landes, bei der Entscheidung eine große Bedeutung zu. Das kann sich durchaus vorteilhaft auswirken, Nussbaummüller hat Ausstellungen kuratiert, österreichische Künstler in der internationalen Szene vernetzt und er war selbst einmal im Kunsthaus Bregenz tätig.

Thema Region

Der Ausschreibungstext, auf den bislang um die 40 Kandidaten reagiert haben, lässt den Schluss zu, dass man danach trachtet, auf der Kuratorenebene fündig zu werden. Erfahrungen bei der Leitung eines Hauses  sind nicht Voraussetzung, was den Kreis der Kandidaten enorm erweitert. Das Programm in der Region zu verankern, dazu muss die neue Kunsthaus-Leiterin bzw. der neue Kunsthaus-Leiter Lust haben. Sabine Folie, der die Generali Foundation oblag, ist dahingehend viel zuzumuten, sie war vor einigen Jahren noch in Vorarlberg tätig.  Susanne Gaensheimer, die jüngst den Deutschen Pavillon auf der Biennale von Venedig kuratierte, wird in Künstlerkreisen ebenfalls gerne genannt. Weitere Namen von fähigen Frauen gefällig? Ulrike Groos (Kunstmuseum Stuttgart) wäre – wenn schon keine Kandidatin – dann zumindest eine Persönlichkeit mit Fachwissen für die Findungskommission. Dasselbe gilt im Besonderen für Ruth Noack, die vor einigen Jahren neben Roger M. Buergel mit der documenta in Kassel reüssieren konnte.

Thema Mut

Im Zusammenhang mit mutigen, aber keineswegs unbesonnenen Entscheidungen fällt auch der Name Severin Dünser. Der Vorarlberger hat sich unter anderem als Kurator am Wiener Belvedere einen hervorragenden Namen gemacht. Er kennt sich international bestens aus, hätte keine Akklimatisierungsschwierigkeiten, nicht gleich wieder Fernweh und das Zeug für neuen, sicher nicht glanzlosen Schwung im KUB.

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