Kunst, Kultur und heilende Kräfte

Kultur / 28.08.2014 • 21:43 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Wiener Quartett Fräulein Hona spielt am 11. September im Feldhotel Buchboden. Foto: Rebecca Sparr
Das Wiener Quartett Fräulein Hona spielt am 11. September im Feldhotel Buchboden. Foto: Rebecca Sparr

Das diesjährige Kulturfestival Walserherbst steht ganz im Zeichen der Heilung.

Sonntag. „Man muss es für die Menschen in der Umgebung machen, denn nur wenn die überzeugt sind, kommen die Leute auch von weiter her“, erklärt der Gründer des Walserherbstes, Dietmar Josef Nigsch, das Erfolgsrezept des dreiwöchigen Kulturfestivals im Großen Walsertal. Obwohl die Veränderungen auch oft herausfordernd seien, bekomme das Tal etwas Festliches und Räume erhalten neue Funktionen. „Kultur ist und soll auch immer ein wenig Provokation sein.“ 

Bereits seit 2004 findet das Festival im Zweijahresrhythmus statt und mittlerweile begeistert man über die Landesgrenzen hinaus mit dem abwechslungsreichen Angebot in der einzigartigen Umgebung des Großen Walsertals. Unerlässlich für den Erfolg sind die gute Zusammenarbeit und die große Unterstützung duch die beteiligten Gemeinden. Die Veranstaltungen finden am Thüringerberg, in Sonntag, Damüls, Fontanella, Marul, Raggal und St. Gerold statt. Ein Zentrum wird Buchboden mit dem dort vom Architektenduo Mackowitz und Skorpik errichteten Feldhotel darstellen, in dem Konzerte, Lesungen und Workshops stattfinden werden. Laut Nigsch werde das Tal umso schöner, je tiefer man hineinkommt, und so ist Buchboden geradezu prädestiniert um als Ausgangspunkt zu dienen. Trotz der abgelegenen Lage biete der kleine Ort eine gute Infrastruktur und ist relativ schnell zu erreichen. „Der Walserherbst setzt das gesamte Tal in Bewegung, denn er unterbricht auch gewissermaßen den Alltag der ansässigen Bevölkerung.“

Tradiertes Wissen

Ausgangspunkt für das diesjährige Thema waren die von der Enkelin des von 1911-1925 im Walsertal ordinierenden Arztes Dr. Josef Seeberger zur Verfügung gestellten Fotoalben. Zusätzlich zur schulmedizinischen Herangehensweise widmet sich das Festival auch in umfangreicher Weise alternativen Heilpraktiken, die seit Jahrhunderten praktiziert werden und typisch für das Tal sind.

Im Heimatmuseum Sonntag wird der Aspekt Heilung auf vielfältige Weise beleuchtet. Silvia Bischof thematisiert das Thema Schmerz und Verletzung über Rauminstallationen menschengroßer Nadeln. Daneben kann man Berichten über Heilungserfahrungen von Bewohnern des Walsertals lauschen.

Eine seit jeher verwendete Heilmethode ist jene mit aus Kräutern hergestellten Produkten. Auch diesem Thema wird mit einer Ausstellung und einer Buchpräsentation der Alchemilla-Kräuterfrauen Platz eingeräumt. Zahlreiche Workshops laden die Besucher auch ein selbst aktiv zu werden und tiefer in die Thematik einzutauchen.

Impulsfestival

Der Walserherbst erweist sich in vielerlei Hinsicht als Impulsgeber. 2012, als das Thema Wasser im Vordergrund stand, wurde das „Lutzschwefelbad“ errichtet. An einer der stärksten Schwefelquellen in Österreich gelegen, erfreut sich die Bevölkerung an dem im puristischen Design gehaltenen Bad. „Die Kultur ist da, sie muss nur geweckt werden“, so Nigsch und spielt damit auf die alte Tradition der regionalen Badekultur in der Gegend an. Das Kulturspektakel wird heute Abend mit Ausstellungseröffnungen und zu den Klängen der Alpin Ramblaz und des senegalesischen Koraspielers Moussa Cissokho eröffnet.

Je tiefer man ins Tal hineinkommt, desto schöner wird es.

Dietmar Josef Nigsch
Renate Schmidrathner zeigt, wie man aus Gräsern Körbe flechtet.  Foto: Heimo Lammer
Renate Schmidrathner zeigt, wie man aus Gräsern Körbe flechtet. Foto: Heimo Lammer
Die Alchemilla-Kräuterfrauen bieten Wissen zum Angreifen. Foto: Alchemilla  
Die Alchemilla-Kräuterfrauen bieten Wissen zum Angreifen.
Foto: Alchemilla  

Eröffnung: Heute 20 Uhr am Dorfplatz Buchboden (29. August bis 20. September), www.walserherbst.at

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