„Eine schmerzhafte Entscheidung“

Kultur / 05.09.2014 • 18:32 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Dirigent Franz Welser-Möst muss „Abstand gewinnen“. Foto: APA
Dirigent Franz Welser-Möst muss „Abstand gewinnen“. Foto: APA

Franz Welser-Möst hat gestern seinen Rücktritt als Generalmusikdirektor der Wiener Staatsoper erklärt.

Wien. Im Herbst 2010 war der österreichische Dirigent an der Seite von Dominique Meyer angetreten, im Jänner 2012 war sein Vertrag bis 2018 verlängert worden. Gestern hat Franz Welser-Möst nach nur vier Jahren seine Funktion als Generalmusikdirektor der Wiener Staatsoper niedergelegt. „Es gibt Differenzen über die künstlerische Ausrichtung des Hauses, die nicht von heute auf morgen entstanden sind. Dominique Meyer ist als Direktor die Nummer eins. Er ist ein sehr netter Mensch und hat in künstlerischen Dingen andere Meinungen. Das steht ihm auch zu. Aber dann muss ich die Konsequenzen ziehen“, begründete Franz Welser-Möst gestern seinen Rücktritt als Generalmusikdirektor der Wiener Staatsoper.

Differenzen

Über Details der künstlerischen Differenzen wolle er nicht sprechen. „Da geht es um Sänger und Dirigenten, da geht es um den ganzen Bereich, der die künstlerische Ausrichtung des Hauses ausmacht.“ Dass er gleichzeitig mit seinem Rücktritt als Generalmusikdirektor auch seine Dirigate zurückgelegt habe, begründete er damit, „Abstand gewinnen“ zu müssen. „Das kann ich aber nicht, wenn ich im Haus bin. Glauben Sie mir: Das ist eine für mich sehr schmerzliche Entscheidung.“ Welser-Möst war für die Saison 2014/15 insgesamt 34 Mal am Pult der Wiener Staatsoper vorgesehen, allen voran für die Neuinszenierung von Verdis „Rigoletto“.

Dass der meist konziliant erscheinende Welser-Möst durchaus Zähne zeigen kann, hat er in der Vergangenheit öfter bewiesen. So hat er im Dezember 2012 den Salzburger Festspielen seine Mitwirkung an einem zentralen Projekt der Jahre 2013, 2014 und 2015 – einem dreijährigen Mozart-Da-Ponte-Zyklus – abgesagt. Der Hauptkritikpunkt waren die zu kurzen Abstände zwischen den Aufführungen. Die Stimmung zwischen ihm und Festspielchef Alexander Pereira kühlte daraufhin merklich ab.

Große Orchester

Geboren wurde Welser-Möst 1960 in Linz. Er übernahm 2005 die Stelle des Züricher Generalmusikdirektors, aus dieser schied er im Sommer 2008 jedoch aus, um sich den Vorbereitungen für Wien widmen zu können. 2002 übernahm der Dirigent, der mit allen großen Orchestern zusammengearbeitet und in allen Metropolen der Musikwelt dirigiert hat, das renommierte Cleveland Orchestra, im selben Jahr wurde er von der Musikzeitschrift „Musical America“ zum „Conductor of the Year 2003“ gewählt. Auch als Dirigent des Neujahrskonzerts der Wiener Philharmoniker war Welser-Möst in seiner Zeit als Generalmusikdirektor gleich zweimal zu erleben. Da Vermittlungsversuche zwischen Meyer und Welser-Möst angeblich gestern scheiterten, obliegt die Bestellung eines neuen Generalmusikdirektors  nunmehr der künstlerischen Leitung der Staatsoper, hieß es aus der Bundestheater-Holding. „Es wird keine weiteren Vermittlungsversuche geben“, so ein Ostermayer-Sprecher.

Es gibt Differenzen über die künstlerische Ausrichtung des Hauses.

Franz Welser-Möst