„Macht grad Lust auf ein Happy End“

Kultur / 19.09.2014 • 22:13 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
processed by Octavian
processed by Octavian

Der letzte Satz in der Uraufführung von Thomas A. Welte ist bezeichnend.

Christa Dietrich

Bregenz. Aus dem Lautsprecher dröhnen die rauchigen Stimmen alter Haudegen. Die Bar, an der sich gerade noch das Publikum bedient hat, wird zur Bühne, und man hätte sich nicht gewundert, wenn ein Klischeebild stimmt, wenn nämlich bald nach breitbeinigem Gang zur Tränke nach etwas Hochprozentigem verlangt wird. Stattdessen tritt erst einmal eine sichtbar männlich kostümierte Figur an den Tresen, hinter dem ein zwar zartes, aber durchaus bestimmendes Wesen gerade telefonisch irgendeinen nun nicht mehr Geliebten abserviert hat.

Damit wenigstens ein Witzbild stimmt, taucht ein blondes Mädchen auf und verlangt nach lauwarmer Milch, um sich schließlich – es handelt sich ja um eine Bar – am gereichten Whisky zu verschlucken.

Viele Lacher

„Moustache“ heißt der Text von Thomas A. Welte. Nachdem der Vorarlberger Autor (geb. 1979) mit „Das Verhör“, einem Stück über Widerstandskämpfer, im Haupthaus vertreten war, bietet ihm das Theater Kosmos erneut ein Podium bzw. das Kosmodrom, die Bühne für Experimente, Anfänger oder – wie nun – für etwas Neues, nämlich für das Unterhaltende, aus dem Spielenswertes extrahiert werden kann. „Moustache“ ist so ein Stück, das im Theaterbetrieb sonst kaum Chancen hätte, für die Regie und vier Schauspielerinnen aber eine Herausforderung darstellt und vom Publikum mit vielen Lachern und stürmischem Applaus honoriert wird. Aus werbestrategischen Überlegungen würde man das Unterfangen anderswo eventuell mit Sitcom übertiteln. Derlei Stimmenfang hat man bei Kosmos aber nicht nötig. Kosmodrom-Kurator Stephan Kasimir vertraut dem handwerklichen Geschick des Autors so weit, dass er ihm auch noch die Regie zumutet, und darf sich nach der Uraufführung, deren Bild auch die Ausstatterin Mandy Hanke rundet, sicher sein, dass man sich nicht übernommen hat.

Im Stück tragen Frauen – einmal in Ausübung einer Shakespeare-Rolle und einmal aus purer Lust – Männerkleider und wirken plötzlich ungeheuer anziehend auf ihre Geschlechtsgenossinnen. Wird der Schwindel entlarvt, hat das ziemliche Identitätskrisen zur Folge. Die Heilung ist weder ein tiefgreifender Prozess noch ein Fingerzeigtheater, verleiht Thomas A. Welte den Umständen, die zur Verliebtheit führen sowie dem Akt selbst doch so viel Witz und Charme, dass sich befreiender Humor breit-macht. Details geschlechtlicher Unterschiede werden zudem so frech und pointenreich geschildert, dass kein Vergleich mit schlüpfrigen Gags etwaiger TV-Formate droht. Abgesehen davon sind die Schauspielerinnen Diana Kashlan, Anja Pölzl, Rebecca Selle und Michaela Spänle in der Lage, das verträgliche Quantum an Durchgeknalltheit richtig einzuschätzen. „Macht grad Lust auf ein Happy End“, heißt es am Schluss, wenn sich das zweite Frauenpärchen findet. Schade eigentlich, dass „Moustache“ nur ein Wochenende lang gespielt wird, die Liaison mit Kosmos hätte noch andauern können.

Weitere Uraufführungen

Aber gut, schon am 2. Oktober steht die erste Premiere im großen Haus an. „Ihr könnt froh sein“ lautet der Titel eines sozialkritischen Stücks des Österreichers Volker Schmidt, das in Bregenz uraufgeführt wird. „Kilometer fressen macht auch nicht satt“, stellt die junge Vorarlberger Autorin Nadja Spiegel fest, die damit erstmals ein Werk für die Bühne geschrieben hat.

Nächste Aufführung von „Moustache“ von Thomas A. Welte am 20. September, 20 Uhr im Theater Kosmos, shed 8, in Bregenz.