Von der Ökonomie in der Kunst

12.10.2014 • 18:09 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„600 Millionen Freunde und Komplizen“ ist der Titel der hochinteressanten Schau im Künstlerhaus.  Foto: CH
„600 Millionen Freunde und Komplizen“ ist der Titel der hochinteressanten Schau im Künstlerhaus. Foto: CH

Vorarlberger Christian Helbock ist maßgeblich an einem Ausstellungsprojekt im Künstlerhaus Wien beteiligt.

Wien. (VN-jal) Wie viel ist das Künstlerhaus wert? Das letzte Angebot liegt 18 Jahre zurück: 600 Millionen Schilling wurden damals von einem japanischen Investor geboten. Dieser Betrag war auch der Namensgeber für die bis 6. Jänner stattfindende Sonderausstellung „600 Millionen Freunde und Komplizen“.
In der bewegten Geschichte des Künstlerhauses und Kunstinstitutionen generell ist seit jeher das Thema der Kunst in Beziehung mit einhergehenden ökonomischen Zwängen ein virulentes. Bereits die 1861 gegründete „Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens“ hatte es sich zum Ziel gesetzt, künstlerisches Schaffen durch die von der Gemeinschaft geschaffene wirtschaftliche Grundlage zu ermöglichen. Aufgrund der im Laufe des 20. Jahrhunderts auftretenden prekären finanziellen Situationen des Hauses wurden immer wieder äußerst innovative Ideen entwickelt, wie beispielsweise die Errichtung eines der ersten Museumshops oder der 1949 erfolgte Bau des „Künstlerhaus Kino“ mit dem lange Zeit der Ausstellungsbetrieb finanziert wurde. Momentan dient das vor einigen Jahren errichtete Baugerüst als Werbefläche für namhafte Firmen, um so eine Sanierung des Hauses zu finanzieren.

Hängung nach Preisklassen

Dieser ökonomische Aspekt und der Umgang der Kunst mit einer Gesellschaft, in der Geld so wichtig ist, wird durch ein riesiges Display im Erdgeschoß sichtbar gemacht. Die weiß auf schwarz geschriebenen Zahlen springen sofort ins Auge, wenngleich sie oft aufgrund ihrer Größe schwer fassbar sind. Die auf der Rückseite befindlichen Erklärungen zum Zustandekommen der Summen bieten dem Besucher zum einen eine Hilfestellung, die Zahlen etwas greifbarer zu machen, und zum anderen einen Einblick in die Geschichte des Künstlerhauses. Die weiteren ausgestellten Kunstwerke sind nach Preisklassen gehängt und können erworben werden.

Maßgeblich beteiligt an der Entwicklung des Projekts war der in Wien lebende Vorarlberger Künstler Christian Helbock. Zum einen vermittelte er zwischen dem Künstlerhaus und Kuratorin Barbara Steiner und zum anderen hat er eine raumgreifende Videoinstallation zum Projekt beigesteuert. Hinter einem großen Spiegel sind von ihm geführte Interviews mit wichtigen Persönlichkeiten rund um das Künstlerhaus zu sehen. Während der Ausstellungsdauer werden auch immer wieder Interviews vor besagtem Spiegel gedreht. „Es geht mir darum, in diesen Videos sichtbar zu machen, was das Künstlerhaus macht und wie es funktioniert. Besonders interessant ist auch, dass die Besucher während der Interviews durch das Kunstwerk hindurchgehen.“ Gerade der Austausch zwischen den Menschen und der Institution fasziniert Helbock sehr. Für 2016 ist bereits das nächste Großprojekt geplant. In der derzeitigen Ausstellung sind bereits Arbeiten von Künstlern zu sehen, die teilnehmen und die aufgeworfenen Fragestellungen in einen internationalen Kontext setzen. Im Sinne der Ausstellung darf hier auch das veranschlagte Budget genannt werden: 250.000 Euro.

Die Ausstellung im Künstlerhaus Wien ist bis 6. Jänner geöffnet, Di bis So, 10 bis 18 Uhr, Do bis 21 Uhr.