Wenn der Ginster blüht

Kultur / 07.11.2014 • 18:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Stark präsent: Vorarlberger Künstlerin Barbara Anna Husar in ihrem Atelier in der Zuckerlfabrik in Wien. Foto: Lisi Specht
Stark präsent: Vorarlberger Künstlerin Barbara Anna Husar in ihrem Atelier in der Zuckerlfabrik in Wien. Foto: Lisi Specht

Barbara Anna Husar hat in einer ehemaligen Zuckerlfabrik einen
Ort der Information geschaffen.

wien. (VN-jal) Ein Besuch im Atelier von Barbara Husar stellt wahrlich ein multimediales Erlebnis dar. Denn die in Feldkirch geborene Künstlerin verleiht ihrer Gedankenwelt über eine Vielzahl von Materialien und Techniken Ausdruck. Ein Knochenrad aus Dinsosaurierwirbeln, Ölbilder, Collagen, Installationen, Fotos und Trickfilme sind ebenso zu sehen wie Gegenstände, die für Barbara Anna Husar einen zentralen Aspekt der Lebens repräsentieren: die Information. Im gesamten Haus sind unzählige Fritteusensiebe zu sehen, die ein Abbild von neuronalen Strukturen und Synapsen darstellen. Im Mittelpunkt steht jedoch eine aus Nabelschnüren von Ziegen geknüpfte Hängematte. „Die Nabelschnur transportiert die Ur-Information und auch die Beduinen vermuten in der Nabelschnur den Sitz der Seele.“

Obwohl Husar schon seit 20 Jahren regelmäßig Zeit mit Beduinen im Sinai verbringt und eine gute Beziehung zu ihnen aufgebaut hat, war zunächst keiner der Hirten bereit, ihr Nabelschnüre zu verkaufen. So erstand sie sich eine eigene Herde und sammelte über zehn Jahre lang diese Informationsstränge, die die Ur-Information des Lebens enthalten. Im Sommer verknüpfte sie dann in einem „performativen Akt“ und in völliger Stille die Enden zu einer „Mündungswiege“, welche nun eine „Verbindung von Urverbindungen“ darstellt. Im Raum direkt über der Nabelschnur-Hängematte finden jeden Sonntag Konzerte von internationalen Musikern statt. „Durch die Musik werden die Frequenzen der Nabelschnüre freigesetzt“, erklärt sie.

Jährlich in die Wüste

Der Kontakt mit den Hirten und die Zeit in der Wüste ist für Aida, so wird die Künstlerin von den Beduinen genannt, ein essentieller Bestandteil ihres Schaffens. Meist zu Beginn des Jahres, wenn der Ginster in voller Blüte steht, verbringt sie mehrere Monate im Sinai. Beeindruckt von der Landschaft aber vor allem auch von der puristischen Lebensweise der Beduinen, die ihren Tätigkeiten „mit großer Würde“ nachgehen, wird der Fokus automatisch auf die eigenen Gedanken und ihr Entstehen gelegt. „Ich habe einen Ort gesucht, der in höchstmöglichem Gegensatz zu unserem Informationsüberfluss steht. Die Leere des Ortes ermöglicht Inspiration und das Spüren des eigenen Nervensystems.“

Der einzigartige Ort der Zuckerlfabrik wird noch bis Ende des Jahres von Barbara Anna Husar mit Kunst gefüllt. Jeden Sonntag findet vor den Konzerten ab 19 Uhr ein „Interfritteusialer Salon“ statt, in dessen Rahmen das Haus besichtigt werden kann. Im nächsten Jahr wird Barbara Husar weiterziehen. Wohin, weiß sie noch nicht, jedoch hat sie von den Beduinen gelernt, wie wichtig es ist, auch schöne Plätze hinter sich lassen zu können.

Die Beduinen vermuten in der Nabelschnur den Sitz der Seele.

Barbara Anna Husar

Jeden Sonntag, 20 Uhr, findet bei Barbara Anna Husar in der Zuckerlfabrik in Wien (12. Bezirk, Raffaelgasse 22) ein Konzert statt.