Zwei Premieren auf einen Schlag

Kultur / 10.11.2014 • 20:59 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Michael Heim trat mit der „Winterreise“ in Thüringen auf. Foto: VF  
Michael Heim trat mit der „Winterreise“ in Thüringen auf. Foto: VF  

Michael Heims erster Auftritt mit der „Winterreise“ erwies sich als geglückt.

Thüringen. Zwei Premieren auf einen Schlag – ja, denn es war zum einen das erste Mal, dass sich der Vorarlberger Michael Heim der Schubert’schen „Winterreise“ annahm und es war wohl zum anderen auch das erste Mal, dass man nach der „Winterreise“ noch einer Zugabe lauschen durfte. Das alles verrät schon, dass das Publikum im Douglass-Saal der Villa Falkenhorst am vergangenen Wochenende schlichtweg begeistert war von Schubert, von der Musik und natürlich von Michael Heim, der gemeinsam mit Hans-Udo Kreuels am Bösendorfer den Abend gestaltete.

Nun, Schuberts „Winterreise“, ein Liedzyklus nach Texten von Wilhelm Müller, zählt neben der „Schönen Müllerin“ wohl zu den Spitzen des Liedgesangs, und wer sich erstmals an Schubert und seine „Winterreise“ annähert, dem sitzt eine ordentliche Portion Respekt in den Gliedern. Das war bei Michael Heim nicht anders und es war schön zu beobachten, wie er von Lied zu Lied immer sicherer und freier wurde.

Das Wilde ist sein Metier

In seiner „Winterreise“ vertonte Franz Schubert 24 Gedichte. Sie reihen sich ohne durchgängigen Handlungsstrang aneinander und verstehen sich mehr als Momentaufnahmen einer Wanderschaft. Mischen sich in der ersten Abteilung noch Lieder, die die Liebe besingen, und andere, die von Schmerz, Verlust und Verzweiflung erzählen, so verdichtet sich diese düster-tragische Stimmung im zweiten Teil zusehends. Alles gipfelt schließlich im Bild des alten Leiermanns, der einsam seine Leier dreht. Niemand hört ihm zu, niemand sieht ihn an. Deutungsansätze, die im Leiermann den Tod sehen, auf den sich der Wanderer zubewegt, sind nicht von der Hand zu weisen, wodurch der gesamte Liedzyklus – durch Wanderschaft, Liebe, Hoffnung und Schmerz – in sich stimmig gerahmt wird. Diese ganze Palette an Stimmungen, Ausdrücken und Gefühlen legt Schubert nun seinen Interpreten ans Herz. Michael Heim nimmt sie und setzt sie, beachtet man, dass es zudem seine „Winterreise“-Premiere war, hervorragend um. Das Aufgebrachte, das Wilde ist ganz sein Metier, wunderschön zu beobachten z. B. beim „Lindenbaum“, wohingegen die leisen und fragilen Passagen noch etwas reifen dürfen. Speziell die Lieder der zweiten Abteilung – also Nummer 13 bis 24 – lagen Michael Heim dann besonders. Von Hans-Udo Kreuels, Konzertpianist, Komponist und Professor am Vorarlberger Landeskonservatorium, versiert begleitet, zeigten sich die Lieder Schuberts in ihrer ganzen Dramatik.

Begeistertes Publikum

Und als nach der letzten flehentlichen Frage des Wanderers an den Leiermann – „Willst zu meinen Liedern deine Leier dreh’n?“ – der Applaus gar nicht mehr enden wollte und sich alle Anwesenden bewundernd von ihren Plätzen erhoben, stand fest, dass Michael Heims „Winterreisen“-Premiere absolut geglückt war. Als Zugabe wurde die Reprise des „Leiermanns“ geboten und die gelang beim zweiten Mal sogar noch besser.

Michael Heim ist vorwiegend an deutschen Bühnen tätig (u. a. in Dresden), wo er zahlreiche Rossini-, Mozart- oder Strauss-Rollen übernimmt und neuerdings auch Wagner im Repertoire hat.

Nächste Termine in der Villa Falkenhorst, „Dunkle Liebe – Wildes Leben“, Lesung mit Hilde Schmölzer und Ingrid Durst; Moderation: Erika Kronabitter, 16. November, 17 Uhr: www.villa-falkenhorst.at