Knallhartes, einfach zart hingehaucht

Kultur / 12.11.2014 • 18:33 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Dieses Mal ein leiser Vorarlberg-Besuch: Marilyn Manson. AP
Dieses Mal ein leiser Vorarlberg-Besuch: Marilyn Manson. AP

Marilyn Manson bedient auch das Auge. Dünnhäutig, auf dünnem Papier.

Christa Dietrich

Dornbirn. Die Vergänglichkeit, der Schmerz, die Angst und deren Ästhetisierung sind an sich ein alter Hut. Auch im Showbusiness. Einer, der diesem Thema neue Facetten abgewinnen kann, ist zweifellos der US-Amerikaner Marilyn Manson. Als er vor zwei Jahren endlich einmal in seiner Rolle als Musiker in Vorarlberg auftrat, war das Interesse groß, das Flatz Museum in Dornbirn präsentiert ihn nun als Maler bzw. als Aquarellist und auch als Filmemacher.

Das Böse übte immer schon eine gewisse Faszination auf die Menschen aus und hat in allen kulturellen Äußerungen – vor allem auch in der Literatur – einen entsprechend großen Platz. Mit dieser Faszination einfach nur zu spekulieren, kann den Verantwortlichen im Flatz Museum keinesfalls unterstellt werden. „Autopsie: Arbeiten auf dünnem Papier“ fügt sich in eine Reihe von Projekten, die Verbrechen und Gewalt in Filmen, in der Malerei, in der Fotografie und damit auch in den Medien durchaus kritisch und in ihrer Komplexität hinterfra-

gen. Bestes Zeugnis

dafür war die Ausstellung des Bildreporters Arthur Fellig, der, besser bekannt unter dem Namen Weegee, als zwar draufgängerischer, aber sehr ernst zu nehmender  Dokumentator des Verbrechens seinen Platz in der Geschichte der Fotografie hat.

Aggressiv und sensibel

Damals schon arbeitete man mit Gerald Matt, dem einstigen Leiter der Kunsthalle Wien, zusammen, der Mansons bildnerisches Werk bereits vor Jahren in der Bundeshauptstadt zeigte und nun als Kurator dieser Ausstellung fungiert. Er spricht von „künstlerischer Obsession“ und  vom „Changieren zwischen Sensibilität und Aggression“, wenn er auf die Motive verweist, die da malträtierte Gesichter, zerflossene Münder, zerfressene Finger, aufgebrochene Körper oder resignierende Augen sind. Der Titel „Autopsie“ bezieht sich auch darauf, dass sich Manson dabei mit eigenen Ängsten auseinandersetzt, mit dem Schmerz, der zu unserem Leben gehört, den wir aber oft ausklammern.

Dass er einem Absinth, also einer hochprozentigen Bitterspirituose, der auch viele Künstler zusprachen, seinen Namen verlieh, wollen wir ihm als Werbegag einmal nachsehen, die Namensfindung für die Bühnenfigur von Brian Hugh Warner, der im Jänner 1969 im US-Bundesstaat Ohio zur Welt kam, ist weniger banal als andere Aspekte der Unterhaltungsindustrie. Marilyn (nach Marilyn Monroe) steht für das Schöne, Manson (nach dem Verbrecher Charles Manson) für das Böse.

Etwas mehr

Abwehr zu erzeugen bzw. zu provozieren, zählt zu den Prinzipien seiner Musik, steht aber dort, wie auch in der Malerei, keinesfalls im Vordergrund. Marilyn Manson ist als bildender Künstler vielleicht nur etwas mehr als ein guter Illustrator. Wäre er nicht inzwischen beinahe legendärer Bühnenmusiker, würden sich nicht so viele um seine Arbeiten auf dünnem Papier scheren. Allerdings, sind Duktus und Malgrund auch noch so zart, so hinterlassen die Motive einen nachhaltigen Eindruck. Während der Betrachter noch überlegt, ob hier für die Darstellungen einiger Wunden auch Blut geflossen ist oder wie hoch der Grad des Kitsches einzustufen ist, steht fest, dass die hier zu sehenden Bilder die Bühnenfigur Marilyn Manson entsprechend ergänzen, sagte doch Manson, dass die Kunst, die er macht, daher kam, „dass ich sie einfach machen wollte. Dafür haben mich die Leute auch gemocht. Und es hat so lange gedauert, bis ich das realisiert habe“.

Wenn die Aquarelle mit den Videos in Verbindung gebracht werden, verflüchtigt sich jeglicher Kitschfaktor ohnehin zusehends. Hinter den geschundenen Körpern steht dann die Geschichte einer Person, der Gewalt angetan wurde. Das Wort mysteriös verwenden wir oft, Gründe von Gewaltanwendung oder für Gewaltbereitschaft zu enträtseln, ist eine Aufgabe. Es ist nicht vermessen, auch solche Gedanken bei der Betrachtung des Werks von Marilyn Manson zu hegen.

Abgesehen davon ist das Flatz Museum, also der Ort der Sammlung des Vorarlberger Künstlers Wolfgang Flatz, ein geradezu optimaler Ort für dessen Präsentation.

Im Flatz-Museum präsentiert sich der Rockmusiker Marilyn Manson als bildender Künstler. Fotos: VN/Steurer
Im Flatz-Museum präsentiert sich der Rockmusiker Marilyn Manson als bildender Künstler. Fotos: VN/Steurer
Ausstellung von Marilyn Manson im Flatz-Museum. Bitte die Arbeiten durchfotografieren.
Ausstellung von Marilyn Manson im Flatz-Museum. Bitte die Arbeiten durchfotografieren.
Ausstellung von Marilyn Manson im Flatz-Museum. Bitte die Arbeiten durchfotografieren.
Ausstellung von Marilyn Manson im Flatz-Museum. Bitte die Arbeiten durchfotografieren.

Die Ausstellung ist im Flatz Museum in Dornbirn (Marktgasse 33) bis 31. Jänner, Fr, 15 bis 17 Uhr, Sa, 11 bis 17 Uhr, So, 14 bis 17 Uhr, zu sehen.