Musik über Ohr und Auge wahrnehmen

Kultur / 19.11.2014 • 18:27 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
   
   

Die italienische Komponistin Clara Iannotta leitet die Bludenzer Tage zeitgemäßer Musik, die heute beginnen.

Bludenz. (VN-cm) Fesselnde Rhythmen, spezielle Musiker und Komponisten mit einem inspirativen Hang zur Grenzüberschreitung prägen seit vielen Jahren die Bludenzer Tage zeitgemäßer Musik. Das Festival ist weit über die Grenzen Vorarlbergs hinaus bekannt für Neue Musik auf höchstem Niveau, überraschende künstlerische Facetten und innovative Interpretationen. Mit der aus Italien stammenden Flötistin und Komponistin Clara Iannotta (31) bestellte der Kunstverein allerArt unter der Leitung von Wolfgang Maurer eine neue Kuratorin für die Veranstaltungsreihe, die in ihren Gründerjahren vom inzwischen international gefeierten Komponisten Georg Friedrich Haas geleitet wurde.

„Musik und Theater verbinden“

Im Gespräch mit Clara Iannotta wird deutlich, dass sie sich die Auswahl ihres Programms nicht von aufgesetzten Themen diktieren lässt, sondern sorgfältig und nahezu akribisch beginnt, einen roten Faden über ihre weitere Arbeit zu spannen. Musiker, die sie auf ihren Wegen in Paris und Berlin begleitet haben, werden Teil des Festivals.

„Ich bin interessiert an Musik, die nicht nur gehört, sondern auch gesehen werden kann. Ich möchte Musik und Theater verbinden, Musik, die über Auge und Ohr gleichermaßen intensiv wahrgenommen werden kann. Es gibt Dinge, die man erst versteht, wenn man sie auch über das Auge aufnimmt. Sehr leise Töne, feinste Nuancen erlebt man ganz anders, wenn man sie sieht, wenn ihre Entstehung sichtbar wird“, beschreibt die Kuratorin ihre Intentionen. Schon am ersten Abend wird das Ensemble „Die Ordnung der Dinge“ den Konzertrahmen sprengen und mit Alltagsgegenständen agieren.

Sieben Uraufführungen

Die aktive künstlerische Auseinandersetzung mit der Musik der Gegenwart ermöglicht Clara Iannotta einen ständigen Austausch mit ungewöhnlichen Musikern und Komponisten aus verschiedenen Ländern. In Bludenz werden nun Werke von Kolleginnen und Kollegen aus Argentinien, England, Frankreich, Brasilien, Deutschland, Irland, Russland, Spanien und den USA präsentiert, darunter insgesamt sieben Uraufführungen.

Einzigartige Kompositionen

Iannota: „Ich habe versucht, Komponisten zu finden, die jeder für sich einzigartig sind, gleichzeitig aber auch verlinkt werden können. Es sind Komponisten, die ähnliche Aspekte weiterentwickeln, die dabei aber jeweils eigene Wege gehen. Zusammenhänge und Verwandtschaften entstehen auf der Basis desselben Gedankens, der auf unterschiedliche Art ausgedrückt wird.“

Sehr leise Töne erlebt man ganz anders, wenn ihre Entstehung sichtbar wird.

Clara Iannotta

Bludenzer Tage zeitgemäßer Musik

» Donnerstag, 20. November, 20 Uhr: „Die Ordnung der Dinge“: Iñigo Giner Miranda, Vera Kardos, Daniel Pintaudi, Cathrin Romeis und Ute Wassermann

» Freitag, 21. November, 20 Uhr: „Quatuor Diotima“: Yun Peng Zhao, Guillaume Latour, Franck Chevalier und Pierre Morlet

» Samstag, 22. November, 20 Uhr: „ensemble mosaik“ mit Enno Poppe: Bettina Junge, Simon Strasser, Christian Vogel, Martin Losert, Ernst Surberg, Roland Neffe, Chatschatur Kanajan, Karen Lorenz, Niklas Seidl und Daniel Plewe

» Sonntag, 23. November, 16 Uhr: „Trio K/D/M“: Gilles Durot, Anthony Millet, Bachar Kalifé und Michelle Agnes