Brutalität, Brillanz oder alles

Kultur / 20.11.2014 • 21:35 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Thomas Schiretz, StR. Judith Reichart, Bgm. Markus Linhart, Martin Ojster (Aktionstheater) und der künstlerische „Frühling“-Leiter Wolfgang Fetz.  Foto: VN/Paulitsch
Thomas Schiretz, StR. Judith Reichart, Bgm. Markus Linhart, Martin Ojster (Aktionstheater) und der künstlerische „Frühling“-Leiter Wolfgang Fetz. Foto: VN/Paulitsch

Der Leiter des Festivals „Bregenzer Frühling“ kann auf Zugkraft setzen.

Bregenz. (VN-cd) Zwei Österreich-Premieren, dazu die Präsenz so grandioser Ensembles wie des Cullberg Ballets oder Israel Galván und mit „Riot Dancer“ eine Uraufführung des Vorarlberger Aktionstheaters, die sich so nahtlos ins Gesamtprogramm fügt, wie es selten zuvor bei den großartigen Produktionen dieses Ensembles der Fall war: Wolfgang Fetz, der künstlerische Leiter des Festivals „Bregenzer Frühling“, hat das Programm für die nächste Auflage präsentiert und dürfte damit wohl an den diesjährigen Erfolg anschließen können. Die Zahlen sind eindeutig, erreichte man heuer doch eine Auslastung von nahezu 100 Prozent und mit mehr Interessenten aus der Schweiz und Liechtenstein weitere Publikumsschichten.

Finanzierung

Ein gut besetztes Festspielhaus bei allen Tanzveranstaltungen ist aber wohl auch darauf zurückzuführen, dass die Produktionen aus Taiwan, London, Amsterdam, Madrid oder New York nur mehr jeweils ein Mal in Bregenz zu sehen sind. Vor Jahren war das noch anders. Mit dem Cloud Gate Dance Theatre und Israel Galván sind zwei Österreich-Premieren dabei, ein Cullberg Ballet oder etwa die Produktion „Atomos“ von Wayne McGregor ist, so der künstlerische Leiter Wolfgang Fetz, nur finanzierbar, wenn Teile der Reisekosten von Anbietern wie dem Tanzquartier in Wien oder dem Festspielhaus St. Pölten übernommen werden. Das Gesamtbudget beträgt 500.000 Euro, 45 Prozent werden über private Sponsoren und die Eintrittserlöse abgedeckt, den größten Brocken übernimmt die Stadt Bregenz, das Land hat eine Abgangsdeckung zugesagt, der Bund allerdings habe, wie Fetz gegenüber den VN betont, einen Beitrag verweigert, weil das österreichische Tanzschaffen nicht berücksichtigt werde. Das jeweils beteiligte Aktionstheater unter der Leitung von Martin Gruber und Martin Ojster dürfte allerdings gerade mit der angekündigten Uraufführung „Riot Dancer“ belegen, dass man die Grenzen des Sprech- und Musiktheaters längst überschritten hat und sozusagen als Dreispartenensemble aktiv wird, wenn man im neuen Werk die „Brüchigkeit der Gesellschaft“ oder unzulängliche Zufluchtsorte aufzeigt.

Ästhetik und Politik

Obwohl gerade zum Auftakt fernöstliche Kunstformen wie die Kalligrafie oder kontemplative Elemente zum Ausdruck kommen, konfrontiert das Programm mit neuen bühnentechnischen Möglichkeiten (die Wayne McGregor ausreizt) und mit politischen Inhalten. „Lo Real“ von Israel Galván, noch in Auftrag gegeben vom heuer verstorbenen Star-Intendanten Gerard Mortier, enthält einigen Sprengstoff.

Das Budget beträgt 500.000 Euro, 45 Prozent sind über Eigeneinnahmen und Sponsoren gedeckt.

Wolfgang Fetz

Frühling 2015

» 20. März: Cloud Gate Dance Theatre of Taiwan: Water Stains on the Wall (Österreichpremiere)

» 17. April: Wayne McGregor|Random Dance: Atomos

» 24. April: Cullberg Ballet: Plateau Effect

» 8. und 9. Mai: aktionstheater
ensemble: Riot Dancer (Uraufführung)

» 16. Mai: Israel Galván: Lo Real – Wahrheit (Österreichpremiere)

» 22. Mai: Trajal Harrell: Antigone Sr. / Twenty Looks or Paris is Burning at The Judson Church (L)