„Es gibt keine leichten Gegner mehr“

Kultur / 20.11.2014 • 22:23 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Buch „Die Toten Hosen – Am Anfang war der Lärm“ liegt ab heute auf und wird von Campino als Herausforderung bezeichnet.  Foto: APA
Das Buch „Die Toten Hosen – Am Anfang war der Lärm“ liegt ab heute auf und wird von Campino als Herausforderung bezeichnet. Foto: APA

„Es hat ganz schön gekracht“, bilanziert Sänger Campino die Geschichte der „Toten Hosen“.

Düsseldorf. „Aber wir hatten Gustav-Gans-mäßig sehr viel Glück, dass wir durch all diese Dinge durchgekommen sind. Andere hat es aus der Bahn geworfen“, betonte Campino (52). Philipp Oehmke erzählt im heute erscheinenden Buch über „Die Toten Hosen“, wie ein paar rebellische Teenager aus Düsseldorf zu einer der größten Rockbands in Deutschland wurden. „Am Anfang war der Lärm“ (Verlag Rowohlt) zeigt, wie eine neue Generation gegen die Nachkriegsgesellschaft aufbegehrte, erklärt, wie das Gefüge in der Band funktioniert, wie sie mit etwas umzugehen lernen musste, das im Punk eigentlich nicht vorgesehen ist: mit Erfolg.

Die Herausforderung laut Campino: „Das Buch durfte auf keinen Fall eine chronologische Ansammlung von Anekdoten werden. Das kennt eh jeder, das langweilt fürchterlich. Wir haben schnell gespürt, dass die einzige Möglichkeit, dieses ganze Projekt interessant werden zu lassen, darin besteht, dass man loslässt und auf Hofberichterstattung verzichtet.“

Auf dem Weg zur abgelaufenen Rekordtournee mit 1,1 Millionen Besuchern war es „nicht immer nur lustig“, so Campino. „Wir haben viel lernen müssen.“ Ein Tiefpunkt, an dem alles in der Schwebe hing, war das tausendste Konzert, bei dem eine junge Frau aus Holland zu Tode kam. Sehr sachlich behandelt Oehmke den  Drogen- und Alkoholkonsum der Musiker. „Es wäre Unsinn, das zu verschweigen“, sagte Campino zu diesem Thema. „Alkohol und Drogen gehören zu unserer Geschichte dazu. Aber es wäre auch völliger Blödsinn, das zu glorifizieren. Es ist ja dadurch reichlich kaputt gegangen.“ „Die Toten Hosen“ lassen in ihrer Biografie auch andere Meinungen gelten, was „Am Anfang war der Lärm“ deutlich von herkömmlichen Rockstarleben-Nacherzählungen unterscheidet. „Das Buch ist immer dann am stärksten, wenn andere über uns reden“, fand Campino. „Man muss akzeptieren, dass sich die Sichtweise der anderen nicht immer mit deiner eigenen deckt. Wenn man das ignoriert, malt man sich eine Welt, die nicht stimmt.“

Die Messlatte liegt hoch

Das Fazit nach der Lektüre: Es kommt auf die Haltung an. „Das ist auf jeden Fall unser Credo“, nickte Campino. „Als Fans von Fortuna Düsseldorf können wir gar nicht anders. Damit spreche ich für alle, die nicht das Glück oder Pech haben, Fans von ewigen Siegervereinen zu sein. Diese Leute machen sich Sorgen auf einem anderen Niveau. Wie ein Schulstreber, der Nasenbluten bekommt, weil er eine Drei plus geschrieben hat. Im Gegensatz dazu gibt es die Fans von Dorfklubs, die sich einer Sache verschrieben haben, die nicht so gut läuft. Gewinnen oder verlieren ist zunächst egal, du musst auf der richtigen Seite stehen.“ Und um beim Fußball zu bleiben: „Es gibt keine leichten Gegner mehr“, sagte Campino, auf die Erwartungen an die nächste Platte angesprochen. „Die Messlatte liegt wirklich hoch, aber wir wollen auch gar nicht schwächer werden.“ In Österreich werden „Die Toten Hosen“ ausschließlich am Nova Rock (12. bis 14. Juni) zu erleben sein.

Man muss akzeptieren, dass sich die Sichtweise der anderen nicht immer mit deiner eigenen deckt.

Campino