Ein Stern geht auf, der andere bleibt

Kultur / 21.11.2014 • 18:18 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Phil KlayWir erschossen auch HundeSuhrkamp Verlag300 Seiten
Phil Klay
Wir erschossen auch Hunde
Suhrkamp Verlag
300 Seiten

Jeder Krieg hat seine Autoren: Phil Klay hat eine Kurzgeschichtensammlung über den Irakkrieg geschrieben.

Romane. Es gibt bereits einige Romane über den Irakkrieg, „Die Sonne war der ganze Himmel“ von Kevin Powers zum Beispiel, oder Yasmina Khadras „Sirenen von Bagdad“. Sie sind alle von der Botschaft beseelt, dass dieser Krieg grauenhaft war, aber nicht ganz unausweichlich. Phil Klay schafft es dennoch, aufzufallen. Schroff, gnadenlos und ehrlich, so könnte man seinen Erzählband „Wir erschossen auch Hunde“ umreißen.

Der Krieg der Ahnungslosen

Phil Klay schreibt die Storys neben dem Krieg. Die Rekruten warten tagelang, dass etwas passiert und spielen unterdessen mit ihren Konsolen. Sie gehen in einen Krieg, weil sie in ihrer Heimat nicht mehr wissen, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen – wenn sie zurückkommen, wissen sie es noch weniger. Daneben gibt es sonderbare Aktionen: Amerikaner teilen im Irak Baseballjacken aus, trauen sich jedoch aus Angst vor Brutalität nicht, die Schläger dazuzugeben; irakische Kriegswitwen werden in unfruchtbaren Gebieten zwecks Wiederaufbaupropaganda zu Imkerprojekten gezwungen. In Klays Texten ist eine permanente Verstörung spürbar, sie haben etwas sonderbar Neutrales an sich, das macht sie auch so stark. Wie eine Art Blog oder Tagebuch sind es persönliche Eintragungen, die sich an niemanden speziell richten und so doch alle treffen.

Einer, dessen literarische Karriere ebenfalls im Krieg begann, war Ernest Hemingway. 2011 jährte sich Hemingways Todestag zum fünfzigsten Mal. Sehr viel wurde dazu veröffentlicht, warum also heute noch eine Hemingway-Bio schreiben? Der Autor findet die Antwort darin, dass gerade junge Menschen mit Hemingway nichts mehr anfangen können.

Hemingway – schonungslos

Thomas Fuchs, auch schon durch seine Mark-Twain-Biografie bekannt, schafft es, eine respektable und unterhaltsame Biografie über einen Autor zu schreiben, der mitunter gleich viel Einfälle wie Reinfälle hatte und es durch seine Machoallüren im heutigen Genderzeithalter nicht gerade einfach hat. Soll man das Buch lesen? Ja, weil der Biograf den Autor nicht verherrlicht, sondern mit ihm einen ehrlichen Umgang pflegt und gerade deshalb seinem Werk eine gewisse Höhe lässt. Die tatsächliche Verschmelzung zwischen dem Biografen und dem Autor – so wie beispielsweise in Jörg Fausers Marlon-Brando-Biografie, findet leider nicht statt.

Thomas FuchsHemingwayMare Verlag223 Seiten
Thomas Fuchs
Hemingway
Mare Verlag
223 Seiten