Starke Zeugen in Schrift und Bild

Kultur / 21.11.2014 • 21:18 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ein Schreibheft mit durchgehend klarem Schriftbild aus dem Jahr 1888 von Rosina Kühne aus Sulz.  Foto: Baur  
Ein Schreibheft mit durchgehend klarem Schriftbild aus dem Jahr 1888 von Rosina Kühne aus Sulz. Foto: Baur  

Nicht nur die Museums­fachleute, auch die Bevölkerung bzw. Besucher halten fest, was zu dokumentieren ist.

Bregenz. (VN-cd) Anna Reichetseder ist vor wenigen Monaten 100 Jahre alt geworden. Erst vor Kurzem bzw. im Rahmen eines Zeitzeugengesprächs stellte sich heraus, dass es von der Bregenzerwälderin Objekte gibt, die nicht nur ein besonderes Dokument für die Geschichte der Arbeitswelt darstellen, sondern dass sich diese auch in besonderen Räumlichkeiten befinden und im Grunde genommen die Sammlung eines Vorarlberger Museums bereichern könnten.

Der Vorhang in der Hofburg

Stefania Pitscheider Soraperra, die Leiterin des Frauenmuseums Hittisau, hat bereits Verbindung zur Hofburg in Wien aufgenommen, und auch Margit Fischer, die Gattin des Bundespräsidenten, weiß Bescheid. Jene Gardinen, die unter anderem die Fenster in Repräsentationsräumen der Hofburg zieren, stammen nämlich aus Vorarlberg. Von einem Fabrikanten in der Schweiz hatte Anna Reichetseder einst den Auftrag bekommen. Wie es damals in den Familien oft der Fall war, war sie als junge Frau als Heimarbeiterin tätig und bestickte an ihrer Maschine auch jene Vorhänge, die nach Wien kamen. Obwohl die Bedienung einer so genannten Pariser Maschine höchst aufwendig war, geht aus den Berichten von Anna Reichetseder hervor, dass Mädchen bereits in sehr jungen Jahren (bzw. als Kind) solche Tätigkeiten ausführten. Schließlich ging es auch darum, das Familieneinkommen aufzubessern. Dass die zart bestickten Vorhänge demnächst restauriert werden, erweitert die Möglichkeit, zumindest einen Teil der Stoffe für Vorarlberg zu sichern.

Klares Schriftbild

Von einem Frauenleben im späten 19. Jahrhundert zeugen auch jene Schreibhefte, die Valentine Baur zu Hause hat. Sie stammen aus dem Jahr 1888 und wurden von Rosina Kühne verfasst, die damals in Sulz zur Schule ging. Die Titel sind jeweils in runder, lateinischer Schrift gehalten und verweisen auf sach- und naturkundliche Aufzeichnungen, aber auch auf Erzählendes bzw. auf kurze Aufsätze. Die Texte selbst sind in Kurrent gehalten. Obwohl sie über längere Zeiträume entstanden sind, haben die Hefte ein durchgehend klares Schriftbild. Rosina Kühne ist bereits als junge Mutter an einer Krankheit verstorben.

Landschaftsmalerei

Wilhelm Bröll, früher Stadtkämmerer in Feldkirch, betrachtet die Landschaft und deren Besiedelung einerseits aus malerischem Interesse, anderseits auch um zu dokumentieren, wie sie sich verändert. Er lebt in Schwarzenberg, hat beim bekannten Künstler Armin Pramstaller eine Ausbildung absolviert und malt bereits seit Jahrzehnten. Eine seiner Arbeiten zeigt beispielsweise das letzte Wehr im Rheintal. Es befand sich zwischen Hohenems und Dornbirn und wurde vor einiger Zeit abgebrochen. Bröll: „Für mich ist es auch ein Symbol für die Übereinstimmung von Natur und Technik.“

Ein Schreibheft mit durchgehend klarem Schriftbild aus dem Jahr 1888 von Rosina Kühne aus Sulz.  Foto: Baur  
Ein Schreibheft mit durchgehend klarem Schriftbild aus dem Jahr 1888 von Rosina Kühne aus Sulz. Foto: Baur  
Das letzte Wehr im Rheintal, malerisch festgehalten von Wilhelm Bröll aus Schwarzenberg.  Foto: Bröll  
Das letzte Wehr im Rheintal, malerisch festgehalten von Wilhelm Bröll aus Schwarzenberg. Foto: Bröll  

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