Musik, die Generationen verbindet

Kultur / 23.11.2014 • 19:34 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Sarah Ellensohn an der Truhenorgel mit Orchestermitgliedern.  Foto: JU
Sarah Ellensohn an der Truhenorgel mit Orchestermitgliedern. Foto: JU

Klarer Leistungsbeweis des Feldkircher Stadtorchesters unter
Murat Üstün.

FELDKIRCH. Das Konzert des Feldkircher Stadtorchesters am Samstag in der Pfarrkirche Tisis war wieder eine jener für das Publikum so herzerfrischenden Veranstaltungen, in denen ein Amateurorchester, wie es einige im Land gibt, sein Können demonstriert hat. Diese Klangkörper leisten wichtige Basisarbeit mit dem überzeugten Willen, für ihre Zuhörer und zur eigenen Freude das Bestmögliche zu erreichen, auch wenn ihnen von der  Ausbildung her natürliche Grenzen gesetzt sind.

Das Publikum kam in Scharen und die Musiker zeigten auf, was sie können. Das war weit mehr als noch vor zwei Jahren. Verantwortlich für diesen Trend ist der türkischstämmige Murat Üstün, der den Verein seit vier Jahren leitet und eben mit dem Kompositionspreis des Landes ausgezeichnet wurde. Als langjähriger Kapellmeister im Zirkus hat er die härteste Dirigentenschule hinter sich.

Musik der Generationen

Rund 170 Bestandsjahre hat das Stadtorchester Feldkirch unbeschadet überlebt. Seit 1992 existiert es in der derzeitigen Form und wird vom rührigen Günter Lusser als Obmann geleitet. Das ist auch Musik der Generationen, die hier geboten wird, markiert durch die Spannweite zwischen 15-jährigen Geigern und dem 83-jährigen bekannten Bariton Günther Ess, der den Kontrabass bedient. Jung und Alt fühlen sich hier vereint im Bestreben, gute Musik zu machen. Üstün hat für sie ein Programm ausgewählt, das ihr Leistungsniveau zwar ausreizt, aber nie überfordert. Zusammenspiel und Dynamik funktionieren bereits weitgehend, an Intonation und Klang muss noch gefeilt werden. Als wesentlicher Faktor wird seit Jahren auch jungen Solisten eine Bühne für Auftritte vor Publikum geboten. Diesmal erhielt diese Chance die 21-jährige Sarah Ellensohn, Orgelstudentin bei Helmut Binder am Konservatorium. In einem Vanhall-Konzert zeigte sie an einer Truhenorgel perlende Geläufigkeit und konnte dank intensiven Kontakts mit dem Orchester auch ihr kleines nervliches Missgeschick im dritten Satz ausbügeln.

Barocker Glanz

In einer Tafelmusik von M. R. Delalande für den Sonnenkönig in Versailles entfaltet das Orchester selbstbewusst barocken Glanz und federnden Rhythmus. Ein Stück aktueller Musik ergreift in ihrer dunklen, intensiven Klanglichkeit die Zuhörer mit dem für Orchester arrangierten bekannten Chorwerk „Pater Noster“ des Letten Peteris Vasks.

Umso mehr, als Pfarrer Stefan Biondi zuvor in seinen Begleitworten an den vor 70 Jahren von den Nazis enthaupteten Märtyrer Provikar Carl Lampert erinnert, der sich die Vater-unser-Bitte „Dein Wille geschehe“ bis zuletzt zu eigen gemacht hatte. In einem Bild über dem Altar ist er präsent. Haydns lebenssprühende Symphonie Nr. 27 schließlich zeigt das Orchester mit seinem überlegten, auf Sicherheit und feine Gestaltungsimpulse bedachten Leiter auf einem hoffnungsvollen Weg in die Zukunft.