Wieder in der Vorreiterrolle

Kultur / 23.11.2014 • 19:34 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Sons of Kemet mit Shabaka Hutchings, Tom Skinner, Seb Rochford und Theon Cross am Dornbirner Spielboden. Foto:VN/CD
Sons of Kemet mit Shabaka Hutchings, Tom Skinner, Seb Rochford und Theon Cross am Dornbirner Spielboden. Foto:VN/CD

Der Spielboden bestätigt mit Sons of Kemet seinen guten Ruf als Jazzpodium.

Christa Dietrich

Dornbirn. Zwei Schlagzeuge, Saxophon, Tuba und Perkussion: Schon die Besetzung bzw. Instrumentierung verspricht Power. Dass es ein Konzertabend aus einem Guss wurde, hat überrascht und überzeugt. Nach dem Auftritt von Sons of Kemet am Samstagabend steht jedenfalls fest, dass der Spielboden immer noch bzw. wieder eine Vorreiterrolle in Sachen Jazz einnimmt. Alfred Vogel hatte die Musiker aus London engagiert. Weil er bei ihnen schon vor einiger Zeit vorstellig wurde und sie nach Österreich holen konnte, gastierte das Ensemble zuvor auch in München und wird demnächst in der Schweiz auftreten.

Ausgangspunkt Bezau

Alles begann bei den Bezau Beatz, einem Fesitval, das Vogel ebenfalls verantwortet. Saxophonist Shabaka Hutchings trat dort vor zwei Jahren mit Soweto Kinch auf und konfrontierte den Veranstalter mit der Band, deren Musik in Fachkreisen als richtungsweisend analysiert wird. Mit Tom Skinner, Seb Rochford (Schlagzeug) und Theon Cross (Tuba und Perkussion) kam Hutchings nun nach Dornbirn und hat wohl dafür gesorgt, dass das interessierte, aber noch überschaubare Publikum weiteren Jazzfreunden kundtun kann, etwas versäumt zu haben. In erster Linie hörte man eine Musik, die zwar aus den klirrenden Motiven einer New Orleans Street Band gespeist ist, aber auch dunkle Rhythmen bzw. Grooves enthält, die die Titelgebung der Band erklären. Kemet verweist auf das alte Ägypten, auf fruchtbaren Nilschlamm.

Klischeefreie Ethno-Beats

Diese Mischung hat nicht nur Kraft, auch Ethno-Beats oder Reggae hereinwehen zu lassen und dabei Klischees auszuklammern, das mache diesen Musikern erst einmal jemand nach. Die leichte Melancholie, die Shabaka Hutchings einigen melodiösen Passagen angedeihen lässt, verschmilzt mit der Schroffheit, die er mit rasanten Saxophon-Einsätzen in Zwiesprache mit Theon Cross an der Tuba erzeugt, zu einem suggestiven Klangerleben. Die gelegentliche Empfindung von Eintönigkeit bringen die Sons of Kemet übrigens rasch zum Verschwinden, sobald man sich längere Drum-Passagen als selbstgestrickte Antwort auf den Dancefloor vorstellt. Ein Besucher brachte es auf den Punkt: „Klingt ihr Sound auf CD recht konventionell, bringen die Kompositionen live eine Dichte und Atmosphäre, dass man sich als Zuhörer entscheiden muss, entweder mit offenem Mund auf die Bühne zu starren oder gleich der Musik zu verfallen.“

Sons of Kemet mit Shabaka Hutchings, Tom Skinner, Seb Rochford und Oren Marshall am Dornbirner Spielboden. Foto:VN/CD
Sons of Kemet mit Shabaka Hutchings, Tom Skinner, Seb Rochford und Oren Marshall am Dornbirner Spielboden. Foto:VN/CD
Sons of Kemet mit Shabaka Hutchings, Tom Skinner, Seb Rochford und Oren Marshall am Dornbirner Spielboden. Foto:VN/CD
Sons of Kemet mit Shabaka Hutchings, Tom Skinner, Seb Rochford und Oren Marshall am Dornbirner Spielboden. Foto:VN/CD

Nächstes Jazz&-Konzert am Dornbirner Spielboden: Thoneline Orchestra mit der Bregenzerin Filippa Gojo am 29. Dezember.