Christa Dietrich

Kommentar

Christa Dietrich

Verzögern als Taktik

Kultur / 24.11.2014 • 20:43 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Bis für die Republik Österreich vor knapp zehn Jahren kein Weg mehr an der Pflicht zur Rückgabe der „Goldenen Adele“ vorbeiführte, musste die in den USA lebende Erbin einen langen Atem haben. Der Verlust des berühmten Klimt-Werkes wiegt nicht so schwer wie der Imageschaden, den die damals handelnden Politiker dem Land zugefügt haben. Ohne Aufdeckungswillen von unbeirrbaren Historikern und Journalisten hätten die Themen Restitution und Entschädigung zudem gar nicht zu jenen Gesetzen bzw. Ratifizierungen geführt, die in den späten 1990er-Jahren den Einsatz von Raubkunst-Kommissionen bedingten.

 

Dass der Fall Gurlitt nur ein besonders spektakulärer neben vielen weiteren, ähnlich gelagerten ist, haben Fachleute bereits bekundet. Auch hier zeigt sich ein beschämender Umstand. Verzögerungen bei der Provenienzforschung scheinen mitunter eine besonders perfide Taktik zu sein. Gelegentlich erleben die Erben das Durchsetzen ihrer Ansprüche nämlich nicht mehr. Auch die neue Klimt-Foundation hat diesbezüglich einigen Aufarbeitungsbedarf. Dass sich die Rückverfolgung der Besitzverhältnisse mitunter  als schwieriges Forschungsfeld darstellt, steht außer Frage. Ein weiterer aufsehenerregender Fall, nämlich die Tatsache, dass ein Anspruch auf den Beethoven-Fries in der Wiener Secession erhoben wurde, rückt die Thematik – bald 70 Jahre nach Kriegsende – zumindest stark ins Bewusstsein.

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