Baron von Zanzenberg geoutet

Kultur / 26.11.2014 • 20:35 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Ulrich Gabriel erhält mit Robert Polak keinen Konkurrenten, sondern einen Partner.

Christa Dietrich

Bregenz. Die Identität des Barons von Zanzenberg sei ungeklärt, heißt es. Gesichert ist hingegen, dass der Musiker und Autor Ulrich Gabriel als Schreiber jenes Barons fungiert, der aus Dornbirn-Oberdorf stammt, sich einige Zeit in den Vereinigten Staaten aufgehalten hat und mit seinen  regelmäßig publizierten, reflektierenden Beobachtungen der „Rheintalgesellschaft“ einige Berühmtheit erlangte. „Es könnte sein, dass er nun zum ersten Mal wirklich auftritt“, gibt Robert Polak Einblick in seine nächste Filmarbeit. „Ich gehe so an die Arbeit heran, dass ich zuerst eine fiktive Geschichte erfinde, gemeinsam mit dem Schriftsteller Wolfgang Mörth mache ich mich sozusagen auf die Suche nach dem Baron, aber es wird keine eigentliche Spielhandlung geben, das Werk ist eine Art Dokumentation.“

Der Vorarlberger, der in Wien lebt und arbeitet, sich hier „als Gast, aber auch sehr heimisch fühlt“, hat gerade einen Film über jene Straße in Bregenz gedreht, in der er aufgewachsen ist. „Auf der Straße zur Kirche HJ“ steht im Mittelpunkt einer Retrospektive, die das Vorarlberg Museum in Bregenz anlässlich des 70. Geburtstags von Robert Polak veranstaltet, jenem Filmemacher, der unmittelbar mit einem weiteren Siebzigjährigen, nämlich mit Tone Fink, in Verbindung zu bringen ist. Polak war wesentlich an der Verbreitung der Arbeiten des Künstlers aus dem Bregenzerwald beteiligt, man denke nur an „Kater Unser“ bzw. „Johnny Unser“ oder an die spätere Dokumentation „Was das Zeug hält“, die im letzten Jahr noch einmal überarbeitet wurde, oder auch an den Kurzfilm „Shame im Wauld“ mit der Musik des Holstuonarmusigbigbandclubs. 

Auf einer Linie

Die Zusammenarbeit mit Tone Fink hat, wie er sich zurückerinnert, „sehr schnell gut funktioniert“. Der eine, also Fink, wollte in den 1970er-Jahren einmal aus dem Atelier ausbrechen, dem anderen, Polak, war und ist es wichtig, dass die Bildsprache so stark wird, dass sich der Inhalt des Films im Grunde auch ohne Text fast schon erklärt. Polak: „Es ist schwer, die Ästhetik selbst zu erläutern, die Vorgehensweise ist aber klar, mein Schwerpunkt ist der Filmschnitt.“

Das zeigt sich auch im neuen Werk „Auf der Straße zur Kirche HJ“, das auch ein Bild enthält, das zwar nicht prägend gewesen sein muss, aber sich immerhin aufdrängte. Vom Fenster seines Elternhauses blickte Polak einst entlang der Bergmannstraße zur neugotischen Herz-Jesu-Kirche. Dass ein 70-minütiger Dokumentarfilm vorliegt, ist mehr oder weniger dem Zufall geschuldet. Den Blick hatte Robert Polak schon vor über zwanzig Jahren festgehalten. Gesammelt liegen nun nicht nur Beispiele der Veränderung sowie Kommentare, sondern auch ein Gefühlsspektrum vor, das auch eine Auseinandersetzung mit der Geschichte bis zurück zur faschistischen Diktatur enthält, die erst Monate nach seiner Geburt beendet war.

 Auf- nicht Ausbruch

Eine oft zu sehende Ausbruchsstimmung hat Robert Polak nicht wiederholt. „Ich habe eine angenehme Kindheit erlebt“, erzählt er. Dass die Geschichte vom schon lange verschwundenen Gasthaus Tötsch und von der Mobilisierung der Bewohner im Bregenzer Zentrum, auch bei den Zuschauern so gut angekommen ist, hat ihn dazu bewogen, umgehend die Reaktionen des Wiener Publikums zu testen. So oder so wird weiterhin gefilmt. Mit dem Baron vom Zanzenberg steht er ja erst am Anfang.

Apropos Anfang. Robert Polaks Laufbahn als Filmemacher begann nach einem Weihnachtsfest. Beschenkt mit einer 8-mm-Kamera machte er sich in den Tagen darauf auf den Weg und hielt ein Naturereignis fest, das einige Wochen später, also im Februar und März des Jahres 1963, als „Seegfrörne“ dokumentiert wurde. „Ich konnte ja nicht wissen, dass das komplette Einfrieren des Bodensees einmal so bedeutend sein wird.“ Aus dieser Zeit stammt auch das Werk „Schlauch“. Die Skiabfahrt vom Pfänder hat er gemeinsam mit einem Freund produziert. „Ich bin ein paar Meter gefahren und er hat gefilmt, dann habe ich gewartet, bis er vorgelaufen ist und so weiter. Zu Hause haben wir die Ergebnisse dann entsprechend zusammengeschnitten.“

Die Technik hat er perfektioniert und irgendwie so – also beim Schnitt – wird sich demnächst der Baron von Zanzenberg geoutet haben.

Ich habe zu Weihnachten eine Kamera bekommen und die Seegfrörne gefilmt. Das war der Beginn.

Robert Polak
 
 „Nun muss ich tanzen“, 1990
„Jodeln in Indien“, 2008
„Seegfrörne“, 1963  
„Tante Flora“, 2000
„Beton und Blumen“, 1969  
„Straße zur Kirche HJ“, 2014
„Was das Zeug hält“, 1997/2013  
„Juliette“, 1968
„Shame im Wauld“, 2013
„Wau-Wau“, 1967  

Filme von Robert Polak werden von vom 27. bis 30. 11., ab 19 bzw. Sa und So ab 17 Uhr im Vorarlberg Museum in Bregenz gezeigt.