„Da ist noch viel mehr drin“

Kultur / 27.11.2014 • 21:54 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Brettl vor dem Kopf“ (1967) von Maria Lassnig hat am Mittwoch 461.220 Euro erzielt.  FOTO: APA/ KINSKY
„Brettl vor dem Kopf“ (1967) von Maria Lassnig hat am Mittwoch 461.220 Euro erzielt. FOTO: APA/ KINSKY

Maria Lassnig erreicht Rekordwerte. Tobias Natter hat den Nachlass begutachtet.

Christa Dietrich

Wien, Bregenz. Nahezu 500.000 Euro hat das Werk „Der Wald“ (1985) der österreichischen Malerin Maria Lassnig bei der jüngsten Auktion im Wiener Dorotheum erzielt. Kurz zuvor meldete das Auktionshaus im Kinsky einen Rekord mit „Brettl vor dem Kopf“, der somit bereits wenige Stunden später eingestellt war. Auch wenn sich der Wert bzw. Verkaufspreis von Gemälden von Maria Lassnig in den letzten zwei Jahrzehnten verzehnfacht hat, sind die Rekordsummen nicht überraschend. Allerdings dokumentieren sie, dass die österreichische Künstlerin, die 1919 in Kärnten geboren wurde und im Mai dieses Jahres verstarb, unterschätzt wurde.

Weltweit bedeutend

Das bestätigt auch der Vorarlberger Kunsthistoriker Tobias Natter. Der international tätige Ausstellungskurator, der mehrere Jahre das Vorarlberger Landesmuseum leitete, später Direktor des Leopold Museum in Wien wurde und sich vor knapp einem Jahr selbstständig gemacht hat, war beauftragt, den Nachlass von Maria Lassnig zu begutachten. Natter: „Maria Lassnig zählt zu den weltweit bedeutendsten Künstlerinnen des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts. Es gibt ein paar große Namen wie beispielsweise jener von Louise Bourgeois, und da gehört Maria Lassnig unbedingt dazu.“ Lassnig, die lange Zeit in Paris und New York lebte, arbeitete und lehrte, habe, so Natter, zwar immer einen sehr guten Ruf gehabt, die Arbeit sei aber über die Jahre nicht adäquat gewürdigt worden. „Sie hat mit ihren Werken viel zu sagen und das ist bei Weitem noch nicht alles dokumentiert.“ Die jetzigen Auktionsrekorde seien auf Marktmechanismen zurückzuführen, auch auf die Tatsache, dass die Künstlerin, die selbst in den letzten Lebensjahren noch gemalt hatte, jüngst verstorben ist. Grundsätzlich könne man aber davon ausgehen, dass die Preise für ihre Arbeiten in nächster Zeit noch in die Höhe schnellen werden. Natter: „Da ist noch viel mehr drin.“

Stiftung gegründet

Werke von Maria Lassnig sind in vielen öffentlichen und privaten Sammlungen. Gegenüber Käufern habe sie sich laut Natter aber eher spröde verhalten. Auch gegenüber Karlheinz Essl, der zahlreiche Arbeiten erworben hat, habe sie sich zuletzt sehr zurückhaltend gezeigt. „Sie hat ihre Arbeiten, für die sie sich körperlich und emotional jeweils verausgabt hat, zum Teil gehütet wie eigene Kinder und finanziell bescheiden gelebt.“ Dass es Edelbert Köb gelungen ist, für das Kunsthaus Bregenz und damit für Vorarlberg ein wunderbares Lassnig-Werk zu erwerben, erachtet Natter als sehr gute und geglückte Entscheidung.

Der Nachlass enthält jedenfalls mehrere Hundert Gemälde und Tausende von Zeichnungen. Er wurde in eine Stiftung eingebracht. Darüber hinaus gäbe es Überlegungen, in Zukunft einen Lassnig-Preis oder ein Lassnig-Stipendium auszuschreiben.

Im Nachlass sind noch mehrere Hundert Gemälde und Tausende Arbeiten auf Papier.

Tobias Natter