Eine fruchtende Kunstvermittlung

Kultur / 27.11.2014 • 18:33 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Sagmeister mit Jugendlichen in der Ausstellung des Kunstprojekts in der inatura. Der Katalog ist im Verlag Rita Bertolini erschienen. Foto: VN/PS
Sagmeister mit Jugendlichen in der Ausstellung des Kunstprojekts in der inatura. Der Katalog ist im Verlag Rita Bertolini erschienen. Foto: VN/PS

Rubens und die Waldrebe, oder einer zeigt, wie sich Kunst und Natur verbinden und somit nicht verschwinden.

Bregenz, Dornbirn. Dass Peter Paul Rubens, Rembrandt van Rijn, Leonardo da Vinci oder Francisco de Goya nahezu jedem ein Begriff sind, davon müsste man ausgehen können. Die Erfahrungen, die der Kunsthistoriker Rudolf Sagmeister im Laufe seiner jahrzehntelangen Kuratorentätigkeit gemacht hat, sind allerdings nicht nur im Hinblick auf Versäumnisse in der Bildungspolitik und von Pädagogen ernüchternd. Aber nicht nur darum hat er den Alten Meistern nachgespürt.

Ikonen der (europäischen) Kunstgeschichte sind bis in die Gegenwart bedeutend. Weil sie dem Betrachter nach wie vor ein ästhetisches Erlebnis bieten, und weil sie nicht nur für die Kunst einer Epoche stehen, sondern nachfolgende Generationen sehr oft beeinflussten.

Große Tradition

Die Verbindung von Blumen und Figuren hat eine große Tradition. Die Verwendung von Pflanzen zur Charakterisierung eines Verewigten reicht bis in die Antike zurück. Florale Beigaben finden wir bereits bei griechischen Skulpturen. In der sakralen Kunst des Mittelalters erhalten sie besondere Bedeutung, auch im 20. Jahrhundert liefern Blumen Anhaltspunkte zur Bilderklärung. Man denke etwa nur an die Porträts und Stillleben des Bregenzers Rudolf Wacker. „Ich habe viel von ihm gelernt“, erklärt Rudolf Sagmeister, der bekanntermaßen der maßgebliche Erforscher des Werkes dieses namhaften Vertreters österreichischer Kunst der Zwischenkriegszeit ist.

Motive, die zur Werkserie „Wilde Blumen Alte Meister“ führten, liegen freilich auch in der lustvollen Auseinandersetzung mit Meisterwerken, die sich in zahlreichen Museen befinden. Sie sind, wie Sagmeister im Gespräch mit den VN gerne betont, auch auf sein besonderes Interesse an Pflanzen bzw. Wildpflanzen zurückzuführen. „Ich setze mich nicht nur für den Denkmalschutz ein, sondern auch für den Pflanzenschutz. Die Wildpflanzen verschwinden. Auf den Wiesen befindet sich ja oft nichts mehr. Wenn der Hausgarten nur noch ein Rasen ist, dann wächst halt kein solches Pflänzchen“, verleiht er seiner Sorge Ausdruck.

Hunderte Aufnahmen

Wie er zur Graslilie, zum hohlen Lerchensporn, zum weißen Germer, zur Küchenschelle, zum Hauswurz, zum Blut-Weiderich, Bocksbart, Borretsch, zur Echeverie oder zur Gänsedistel kam, hört sich beinahe abenteuerlich an. Am Straßenrand, wo die Mähmaschine nicht hinkommt, oder auf speziellen Märkten werde man fündig. Dazu kommt allerdings, dass viele dieser Blumen nur zu bestimmten Zeiten und manchmal auch nur wenige Stunden blühen. Hunderte Aufnahmen von Meisterwerken, denen er Pflanzen zuordnete, hat Rudolf Sagmeister in den letzten Jahren gemacht. Die 57 schönsten wurden für ein Buch- und Ausstellungsprojekt ausgewählt. Einigen Beispielen haben die VN eine Serie gewidmet, deren vierter Teil in der morgigen Samstagsausgabe veröffentlicht wird. Die erste Präsentation der Arbeiten erfolgte in der inatura, am 9. Dezember wird eine Ausstellung im Vorarlberg Museum in Bregenz eröffnet, die Präsentation in Wien ist in Planung. Sabine Haag, Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums, hat einen Katalogbeitrag verfasst.

Die Auswahl der Porträts ist vielfältig, enthält Beispiele von Rubens, Rembrandt, Leonardo, Botticelli, Watteau, aber auch von Angelika Kauff­mann. Sie ist derart sorgfältig, dass man sich für keine Favoriten entscheiden kann. Abgesehen vom Hinweis, dass das Churer Selbstporträt der Kauffmann mit dem blauen Enzian verbunden wurde (weil die Malerin aus einer Alpenregion stammt), sei die Vorgehensweise erläutert. Sagmeister hat alle Bilder beim Streifzug durch die Museen abgelichtet. Seinem Können als Fotograf entsprechend, sind sie bestens ausgeleuchtet. Die Ausdrucke in jeweils festgelegter Größe wurden an einer Staffelei mit den ausgewählten und in die ausgetüftelte Position gebrachten Pflanzen fixiert, um das Werk bzw. die Collage schließlich festzuhalten.

Als Kurator im Kunsthaus Bregenz ist Rudolf Sagmeister auch Kunstvermittler. Diese Rolle ist auch bei diesem Projekt gegenwärtig,
das auch einen Rückblick enthält.

Ich vermittle den Jugendlichen bei Führungen Fakten zur Botanik und zur Kunstgeschichte.

Rudolf Sagmeister
Fotosession mit Rudolf Sagmeister und seinem Buch
Fotosession mit Rudolf Sagmeister und seinem Buch „Wilde Blumen Alte Meister“ vor dem Plakat oder vor einem der Kunstwerke, Alte Meister Wilde Blumen Rudolf Sagmeister

Finissage in der inatura Dornbirn am 30. November, 14 Uhr. Ausstellung im Vorarlberg Museum vom 10. Dezember bis 11. Jänner.