Die Schönheit wehrt Donner und Blitz ab

Kultur / 28.11.2014 • 20:14 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Sandro Botticelli (1445–1510): „Allegorisches Porträt der Simonetta Vespucci“.  Fotos: Sagmeister
Sandro Botticelli (1445–1510): „Allegorisches Porträt der Simonetta Vespucci“. Fotos: Sagmeister

Bregenz. Das Werk „Amor schnitzt den Bogen“ von Girolamo Francesco Maria Mazzola, gen. Parmigianino (1503–1540) befindet sich im Kunsthistorischen Museum in Wien. Der rote Fingerhut wirkt in geringer Dosierung durch giftige Herzglykoside stärkend auf den Herzmuskel und senkt die Herzfrequenz.

Venus schickte ihren Sohn Amor auf die Erde, um den Liebreiz der schönen Psyche zu brechen. Doch auch Amor verliebte sich in Psyche und seine Mutter zerstörte als Strafe seinen Bogen. Amor schnitzte sich jedoch einen neuen Bogen, denn Liebe ist stärker als Weisheit, deren Symbol, das Buch, er mit Füßen tritt. Für die vom Liebespfeil Getroffenen bleibt die Hoffnung, dass so wie der Fingerhut verblüht, auch der Liebesschmerz schwindet und das Herz Ruhe findet.

Das allegorische Porträt der Simonetta Vespucci von Sandro Botticelli (1445–1510) befindet sich im Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt. Der Dach-Hauswurz zählt zu den Dickblattgewächsen und gedeiht in den Bergen Europas. Als zauberkräftige Dach- und Donnerwurz wurde sie früher zur Blitzabwehr auf Dächern angepflanzt. Die lateinische Bezeichnung Sempervivum – immer leben – könnte auch auf den ewigen Ruhm der Schönheit bezogen werden. Botticelli idealisierte die Gesichtszüge der Simonetta Vespucci. Er wählte die überhöhende Form der Profildarstellung. Frisur und Kleidung sind reich mit Perlen verziert und den Hals schmückt eine antike Gemme aus Medici-Besitz. Guiliano de Medici ritt für sie bei einem höfischen Turnier. Die fein geschnittenen Blüten und Staubblätter der Hauswurz schmiegen sich so elegant in das Porträt, dass sie als Bestandteil des Gemäldes wahrgenommen werden.

Zum Projekt des Kunsthistorikers Rudolf Sagmeister wurde von Rita Bertolini ein Buch herausgebracht.

Girolamo Francesco Maria Mazzola, gen. Parmigianino (1503–1540): „Amor schnitzt den Bogen“.
Girolamo Francesco Maria Mazzola, gen. Parmigianino (1503–1540): „Amor schnitzt den Bogen“.

Arbeiten der Serie „Wilde Blumen. Alte Meister“ sind bis 30. November in der inatura in Dornbirn. Ab 9. Dezember kommt die Schau ins Vorarlberg Museum in Bregenz.