Eine Zwangsaussiedlung

Kultur / 28.11.2014 • 21:40 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Ilse Krumpöck hat Erinnerungen von Maria Geisberger verarbeitet.  
Ilse Krumpöck hat Erinnerungen von Maria Geisberger verarbeitet.  

Vorarlbergerin Ilse Krumpöck widmet sich einem besonderen Fall österreichischer Geschichte.

Sachbuch. Im Buch „Das Nordlicht von Döllersheim“ hat die Autorin Erinnerungen von Maria Geisberger, die im Schuljahr 1939 wegen der
Errichtung des heutigen Truppenübungsplatzes Allensteig (Bezirk Zwettl) ihre Heimat verlassen hatte müssen, verarbeitet. Die Fakten beruhen auf einem Gedächtnisprotokoll der 87-jährigen „Aussiedlerin“ aus Döllersheim.

42 Dörfer wurden damals im Waldviertel geräumt und 7.000 Menschen vertrieben, um Adolf Hitlers Truppenübungsplatz

Döllersheim

Platz zu machen. Bis heute wird das Areal vom Bundesheer genutzt. Im Juli 1957 stellte eine Historikerkommission im Auftrag der Bundesregierung fest, dass „Enteignungen oder sonstige Erwerbungen zu militärischen Zwecken keine typisch nationalsozialistische Erwerbsart darstellen und daher auch nicht als Entziehung gewertet werden“.

Alle 650 privaten Rückstellungsanträge wurden daher negativ beantwortet, nur der Stipendienstiftung Windhag, die vom niederösterreichischen Landeshauptmann verwaltet wird, und dem Stift Zwettl wurden Ablösen bezahlt und Gebiete restituiert. „Diese Ungleichbehandlung ist völkerrechtswidrig“, so Autorin Krumpöck in einer Aussendung.

Denn für die bäuerliche Bevölkerung des Waldviertels war die Zwangsaussiedlung ein Schock. Über den Tag der Umsiedlung notierte die Bäuerin: „Meine Mutter hat in diesen Tagen viel geweint. Besonders, als es ans Zusammenpacken ging. In ‚Gott’s Nam’ sind wir weggezogen.“ Als Entschädigung erhielten die damaligen Bewohner einen knappen Betrag zum Erwerb eines neuen Hofes. Die meisten von ihnen blieben im Waldviertel. Einige bezogen arisierte Häuser, die nach dem Krieg wieder restituiert wurden, so dass den Vertriebenen gar nichts mehr blieb. Im Buch finden sich auch historische Fotos des Gebiets.

   
   

Ilse Krumpöck: „Das Nordlicht
von Döllersheim“, Edition Innsalz,
312 Seiten