Nicht zu domestizieren

Kultur / 28.11.2014 • 21:40 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Nadine Kegele erhielt 2013 den Publikumspreis in Klagenfurt. Sie wird am 2. Dezember mit einer Fördergabe des Landes ausgezeichnet. Foto: APA
Nadine Kegele erhielt 2013 den Publikumspreis in Klagenfurt. Sie wird am 2. Dezember mit einer Fördergabe des Landes ausgezeichnet. Foto: APA

„Bei Schlechtwetter bleiben Eidechsen zu Hause“ heißt das neue Buch der Vorarlberger Autorin Nadine Kegele.

roman. (VN-cd) Bei den Lesungen zum Bachmann-Preis im Jahr 2013 hat sich das Publikum für sie entschieden, die Jury verhielt sich dem Text Nadine Kegeles gegenüber reserviert.  Der damals mit einem Auszug angekündigte Roman liegt vor, das Land Vorarlberg überreicht der Bludenzerin in wenigen Tagen eine Fördergabe. Wohl hoffentlich nicht für einen besonderen Beitrag zur Frauenliteratur, denn mit diesem gelegentlich immer noch angewendeten Blickwinkel würde man – so er überhaupt seriös ist – der 1980 in Bludenz geborenen und nun in Wien lebenden Autorin nicht gerecht werden.

Nach dem vielseits gelobten Erzählband „Annalieder“ liegt nun der erste Roman vor. Ob „Bei Schlechtwetter bleiben Eidechsen zu Hause“ diese Zuordnung gut tut, ist nicht eindeutig zu beantworten. Kegeles Prosa besticht mit Dichte, man mag Kapitel für Kapitel oder gelegentlich auch einzelne Absätze als in sich geschlossene Texte immer wieder durchgehen. „Womöglich sind die Verrücktheiten der letzten Wochen die notwendigen Schritte auf dem Weg zur Transformation“, heißt es da. Die Person, die es nach Veränderung drängt, heißt Nora. Die Rede davon, dass man irgendwo angekommen sei, ist ohnehin ein Blödsinn. Nora ist etwa dreißig Jahre alt, nimmt ihre Umwelt als Möglichkeiten wahr, die oft alles andere als angenehm sind, empfindet das Durchtesten (das auch im Bezug auf Männer zu verstehen ist) zwar als schmerzvoll, aber letztlich nicht als ver- oder zerstörend.

Beim wenig harmonischen Verhältnis zur vom Schickal gezeichneten Mutter taucht zwar ein Klischee auf, die Lösung oder das Umgehen des Problems erfährt in der literarischen Verarbeitung aber derlei unwiderstehliche Momente, dass man das Sujet sogar willkommen heißt. Und was die Reproduktionsfähigkeit betrifft, die in diesem Roman selbstverständlich eine Rolle spielt, nimmt sie eine locker distanzierte, aber durchaus von Respekt durchzogene Haltung ein.

Echsen sollen offenbar nicht zu domestizieren sein. Sich dem schlechten Wetter aber  nach Möglichkeit erst gar nicht offensiv auszusetzen und dennoch nicht ängstlich zu sein, ist ein Lebensmotiv, das hier durchaus zum Tragen kommt und offenbar in einem weiteren Werk fortgesponnen wird.

   
   

Nadine Kegele: „Bei Schlechtwetter bleiben Eidechsen zu Haue“, Verlag Czernin, 315 Seiten