Musikalisches Brachland beackern

Kultur / 30.11.2014 • 20:07 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Eine erfreuliche Aufwertung erfährt das Programm durch die Mitwirkung der Vorarlberger Sopranistin Susanne Großsteiner. Foto: JU
Eine erfreuliche Aufwertung erfährt das Programm durch die Mitwirkung der Vorarlberger Sopranistin Susanne Großsteiner. Foto: JU

Mit seinem Montfort-Quartett startete Guy Speyers eine Kammermusikreihe.

NÜZIDERS. Es braucht schon den Mut des Tüchtigen, um in unserem mit qualitätsvollen Konzertreihen verwöhnten Land noch eine weitere aus dem Boden zu stampfen. Der Südafrikaner Guy Speyers (29) hat das jetzt mit dem von ihm gegründeten Montfort-Quartett im Raum Bludenz gewagt, wo seiner Meinung nach noch Nachholbedarf besteht. Der ausgezeichnet besuchte Start im Sonnenbergsaal von Nüziders war vielversprechend. Durch den Musikvermittler Klaus Christa kam der Bratschist Speyers vor sechs Jahren nach Vorarlberg und integrierte sich im Land innert Kurzem als allseits geschätzter Allrounder, der inzwischen in Nüziders verheiratet ist. In seiner neuen Heimatgemeinde wollte er kammermusikalisches Brachland beackern und gründete mit Unterstützung von „kult pur“ eine eigene Abo-Konzert­reihe, die er nach der Region Sonnenberg „Solis Musica“ nannte.

Grundlage dieses Zyklus ist Speyers Montfort-Quartett mit Musikern aus Deutschland, Serbien, Mazedonien und Südafrika, in dem außer ihm an der Bratsche das Lindauer Geigerehepaar Klaus und Jelena Nerdinger und der Münchner Cellist Emil Bekir musizieren. Sie stellen sich am Beginn mit Schuberts frühem D-Dur-Quartett D 112 vor, nicht ohne Tücken für ein Ensemble, das sich zwar mit großer Ambition diesen Anforderungen stellt, aber noch relativ am Beginn steht. Da gibt es noch einiges zu tun an Detailarbeit, Genauigkeit und vor allem an klanglicher Entfaltung – ein Problem freilich in diesem Saal mit Guckkastenbühne, Vorhang und trockener Akustik. Couragiert versucht Speyers, es zuvor mit einer Einführung seinem Mentor Klaus Christa bei der „Pforte“ gleichzutun. Dass das Publikum zwischen den Sätzen klatscht, beweist die Dringlichkeit der Kulturinitiative.

Eine höchst erfreuliche Aufwertung erfährt das Programm durch die Mitwirkung der heimischen, in Wien ausgebildeten Sopranistin Susanne Großsteiner (28), die man im Sommer noch als Papagena in der „Zauberflöte“ am See bewundert hat. Hier beweist sie mit perfekt geführter, berückender Stimme, in deutlicher Aussprache und großem Gestaltungsspielraum ganz nah am Text ihre Qualitäten im Liedgesang an sechs Liedern von Schumann und drückt dabei das Motto des Abends aus: „Wenn einer aus seiner Seele singt …“ Das Montfort-Quartett fühlt sich in der Begleiterrolle sichtlich wohler, es herrscht intensive Übereinstimmung mit der Solistin.

Das Besondere gespürt

Der deutsche Komponist Aribert Reimann hat in diesem Zyklus Schumanns Klavierpart kaum verändert auf das Streichquartett übertragen. Bei einer zweiten Liedreihe mit bekannten Werken von Mendelssohn unter dem Titel „Oder soll es Tod bedeuten?“ wagt sich Reimann dann sehr viel weiter vor, lässt in überleitenden Intermezzi mit Spieltechniken wie Col legno, Flageolett oder Spiccato seine eigene geschärfte Musiksprache spüren, ohne Mendelssohn zu verleugnen, und erzielt in einer Art Neoromantik ungewohnt gespenstische, faszinierende Wirkungen. Hier werden Solistin und Ensemble vollkommen eins, wachsen im gemeinsamen Bekenntnis expressiv über sich hinaus. Die Zuhörer spüren das Besondere und sind begeistert.

Beginn des vierteiligen Abo-Zyklus „Solis Musica“ im Sonnenbergsaal Nüziders, 13. März 2015 (Yunus Kaya, Klavier, Montfort-Quartett): info@solismusica.at