Neu eingefärbter Klassiker

Kultur / 30.11.2014 • 20:07 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Macht Spaß: „Der Zauberer von Oz“ am Vorarlberger Landestheater. Foto: VN/Paulitsch
Macht Spaß: „Der Zauberer von Oz“ am Vorarlberger Landestheater. Foto: VN/Paulitsch

Beim „Zauberer von Oz“ hätte man gestern Nachmittag am liebsten mitgesungen.

Christa Dietrich

Bregenz. Eigene Fassung, eigens arrangierte Musik, die diesjährige Weihnachtsproduktion des Vorarlberger Landestheaters ist zwar ein Klassiker, kommt aber ziemlich neu daher. Und jeglicher Aufwand hat sich gelohnt.
Der Blechmann möchte ein Herz, der Löwe wünscht sich Mut und die Vogelscheuche ein Hirn. Am Ende erkennen alle drei, dass sie gar nicht so liebesunfähig, furchtsam oder dumm sind, wie sie meinen. Ein Zauberer hat ihnen nichts geschenkt, sondern ihnen klargemacht, dass alles gut ist, so wie es ist. Schließlich waren sie in der Lage, Freundschaften zu schließen und einander während eines Abenteuers, das sie mit einem Mädchen erlebten, beizustehen.
Die Reise der kleinen Dorothy hat Generationen begeistert. Das Kinderbuch ist über hundert Jahre alt, die berühmteste Verfilmung erfolgte 1939. So wie „Alice im Wunderland“ ließe sich auch „Der Zauberer von Oz“ psychologisch anreichern. In Bregenz hält Regisseur Guillermo Amaya an den einfachen Aussagen fest, setzt auf einen ruhigen Erzählton. Für knallige und kontrastreiche Farbigkeit dürfen Bühnenbildner Hannes Neumaier und Marlene Pleyl mit den Kostümen sorgen. Weitere Schattierungen sind den Sängerschauspielern und vor allem dem Instrumentalensemble überlassen. Ivo Bonev ist nicht nur der musikalische Leiter, sondern auch der zweite Mann am Regiepult, bestimmt er doch das Ablauftempo entscheidend mit. Zügiger braucht das Ganze nicht mehr vor sich  zu gehen, aber wenn jemand – selbstverständlich mit filmischen Effekten – einen Tornado auf die Bühne bringt, dann darf auch der weitere Verlauf ordentlich Drive haben.

Pointiert agiert

Steffi Staltmeier versteht es, das Rad anzuhalten. Die böse Hexe ist halt auch eine tolle Rolle – und sie beherrscht sie. Die Vogelscheuche von Sascha Werginz ist eine Nummer für sich, die viel Körperbeherrschung verlangt, Wolfgang Pevestorf ist nicht nur ein würdiger Zauberer, sondern auch ein hervorragender Sprecher, während der Rest der Truppe inklusive Lisa-Maria Sexl als Dorothy übrigens nicht nur pointiert agiert, sondern auch bestens singt.
Super, hätte man gar nicht erwartet von Lukas Kientzler oder Alexander Linhardt. Dass Heide Capovilla auch kleinen Rollen (wie jener der guten Hexe) Gewicht verleiht, macht die Aufführung ebenso rund, wie der witzig hechelnde Toto des Maximilian Berlinger. Das Sprech-Musiktheater in Bregenz ist witzig und dabei nicht harmlos, ist in seiner Aussage berührend, macht Spaß, sieht bestens aus und hört sich, das sei unbedingt erwähnt, auch aus dem Orchestergraben bestens an. So manche haben mitgewippt und mussten sich bemühen, nicht einfach mitzusingen.

Nächste öffentliche Aufführung im Bregenzer Kornmarkttheater am 7. Dezember, 15 Uhr, zahlreiche weitere: www.landestheater.org