Signierte Haut, geschindelte Objekte, kopflose Leute und pralles Leben

Kultur / 14.01.2015 • 20:29 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Wir werden vom Computer beherrscht und dadurch zusehends kopflos“, postuliert der Zeichner und Maler Rainer Wolf. Fotos: A. Grabher  
„Wir werden vom Computer beherrscht und dadurch zusehends kopflos“, postuliert der Zeichner und Maler Rainer Wolf. Fotos: A. Grabher  

Vereinigung Kunst.Vorarlberg stellt in der Villa Claudia acht neue Mitglieder vor.

FELDKIRCH. Artgerecht wird das neue Jahr bei Kunst.Vorarlberg mit neuer Kunst und neuen Namen, sprich neuen Vereinsmitgliedern, begrüßt. „Achtmalneu“ lautet die Devise, unter der es Malerei, Zeichnung, Bildhauerei, Fotoarbeiten, Konzept- und Medienkunst zu sehen gibt.

Neues Image

Im Verein sind Bella Angora, Judith Batlogg, Katharina Fitz, Dorothea Rosenstock, Herwig Selb, Franziska Stiegholzer, Bianca Tschaikner und Rainer Wolf zwar allesamt neu, im Kunstfeld Vorarlberg sind der eine oder die andere dagegen durchaus bereits bekannt und präsent. Zu den zu entdeckenden Positionen zählt aber die gebürtige Schweizer Textilkünstlerin und -designerin Dorothea Rosenstock (geb. 1979), die seit 2009 in Feldkirch lebt. Mit der Wandarbeit „Aus dem Archiv geplaudert“ stellt die Künstlerin sich und Papierfäden als interessantes Material vor. Aus Finnland mitgebracht, wo sie studiert und gelebt hat, verpasst Rosenstock den Papierfäden, die in Kriegszeiten als textiles Ersatzmaterial dienten, ein neues Image, indem sie am Webstuhl rhythmisch-strukturierte Muster und Gewebe produziert. Auf Aktzeichnungen und dem Wesen des menschlichen Körpers beruht die Tempera-Malerei von Judith Batlogg (geb. 1964), während die in Wien lebende Performancekünstlerin und Musikerin Bella Angora (geb. 1968) ihren eigenen Körper wie eine Leinwand inszeniert.

Reisende

Fotoarbeiten zur Performance „Das signierte Wunder“ zeugen anhand der auf der Haut der Künstlerin hinterlassenen Inschriften von den Interaktionen und Begegnungen mit den Besuchern. Lässt sich die Energie dieser eigenwilligen Aktion fast greifen, so zerlegt und konstruiert der Feldkircher Konzeptkünstler Herwig Selb (geb. 1956) ein Gesicht wie eine digitale Momentaufnahme, während sich in der Gleichzeitigkeit des kleinformatigen, mit narrativen Details gespickten Blattes der Illustratorin, Zeichnerin und Reisenden Bianca Tschaikner (geb. 1985) das ganze pralle Leben um sie herum niederschlägt. Mit einem Querschnitt aus ihren Materialserien der letzten Jahre wartet die Bildhauerin Franziska Stiegholzer (geb. 1967) auf.

Bewegung im Material und die Verbindung serieller Elemente aus Gips, Gummi oder Holz sind das große Thema der Künstlerin, die Verpackungsmaterial, Kabelbinder und Fensterdichtungen ebenso einsetzt wie die ihrem Kontext entfremdeten Holzschindeln in den jüngsten orangefarbenen Objekten.

Statussymbol Haus

Eine weitere spannende Entdeckung offenbaren die Fotoarbeiten der in Berlin lebenden Katharina Fitz (geb. 1985). Porträtierte sie in der Reihe „Dornbirn Houses“ das Einfamilienhaus als Statussymbol in der Nachbarschaft, so reüssierte sie jüngst international mit der Serie „Urban Gardening Patchwork“, die auf dem Gelände des ehemaligen Berliner Flughafens Tempelhof entstanden ist.

Die in Feldkirch präsentierte, während des Künstleraustauschs in Bilbao aufgenommene Fotoserie „El Barrio de Irala“ befasst sich soziologisch mit städtischen Strukturen. Veränderungen anderer Art sind das Thema von Rainer Wolf (geb. 1940): „Wir werden vom Computer beherrscht und dadurch zusehends kopflos“, postuliert der Zeichner und Maler, der sich aktuell der dreidimensionalen Erfassung der menschlichen Figur widmet, seine Zukunftsvision.

Aus Drahtgeflecht geformte Figuren, kopflos, transparent, lässt er wie ein Mobile sanft in Wind und Licht schweben.

Arbeit von Katharina Fitz.
Arbeit von Katharina Fitz.
Unübersehbar: Bella Angora.
Unübersehbar: Bella Angora.
Arbeit von Bianca Tschaikner.  
Arbeit von Bianca Tschaikner.  

Die Ausstellung wird in der Villa Claudia, Bahnhofstraße 6 in Feldkirch, heute, 15. Jänner, 19 Uhr eröffnet. Geöffnet bis 22. Februar, jeweils Fr, 16 bis 18 Uhr, Sa, 15 bis 18 Uhr, So, 10 bis 12 und 15 bis 18 Uhr.