Mehr als die „Mutter der Pille“: Carl Djerassi

Kultur / 01.02.2015 • 19:54 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Chemiker und Autor Carl Djerassi stammte aus Wien.  Foto: Reuters
Chemiker und Autor Carl Djerassi stammte aus Wien. Foto: Reuters

Der weltberühmte Chemiker, Kunstsammler und Schriftsteller ist 91-jährig gestorben.

San Francisco, Wien. Frauen haben sein Leben geprägt: Als Miterfinder der Pille bzw. der oralen Empfängnisverhütungsmittel ist der Chemiker Carl Djerassi weltberühmt geworden. Aber der gebürtige Wiener, der in der Nacht zum Samstag 91-jährig in San Francisco gestorben ist, war mehr als ein erfolgreicher Wissenschaftler. Er machte sich auch als Kunstmäzen und Dramaturg einen Namen. Zahlreiche Prosawerke und Dramentexte sind im Haymon Verlag erschienen.

Begriff nie gemocht

Djerassi selbst sah sich auf seinem Weg zwischen Natur- und Geisteswissenschaften vor allem als Autor, auch wenn er mit dem Titel seiner Autobiografie „Mutter der Pille“ eine Bezeichnung für sich selbst geprägt hatte, die ihm dauerhaft anhaftete. Dabei ist er erst 28 Jahre alt gewesen, als er das Verhütungsmittel mit Kollegen in Mexiko erfunden hat.

Dabei mochte er den Begriff „Anti-Baby-Pille“ überhaupt nicht. Denn das Hormonpräparat richte sich nicht gegen Kinder, es sei vielmehr ein Mittel für die Frauen, hat er betont. Auf die Frage, ob das Hormonpräparat Ursache des Geburtenrückgangs sei, sagte Djerassi einmal: „Das ist Unsinn. Paare beschränken sich aus gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Gründen auf weniger Kinder.“

Von den Nazis bedroht

Die jungen Jahre des später mit Auszeichnungen überhäuften Djerassi waren von der Nazi-Herrschaft geprägt. Als Sohn eines jüdischen Arztehepaars 1923 in Wien geboren, floh Carl 1938 nach Bulgarien. Die Mutter nahm ihn dann mit in die USA. Er konnte studieren, allerdings nur Chemie. Eine Ausbildung zum Arzt war für ihn unerschwinglich.

1200 Publikationen

Im Laufe seiner Forscherkarriere veröffentlichte Djerassi etwa 1200 wissenschaftliche Arbeiten, etwa zur Synthese von Cortison. Auch diese Errungenschaft sichert ihm einen prominenten Platz in der medizinischen Forschungsgeschichte. Der große Durchbruch kam 1951: Djerassi gelang zusammen mit zwei Kollegen die künstliche Herstellung des Schwangerschaftshormons Gestagen. Daraus ging die Pille hervor.

Sammlung der Albertina

Mit seinem Heimatland söhnte sich der US-Amerikaner in späten Jahren aus. Zuletzt lebte er abwechselnd in Wien, San Francisco und London. „Seine wissenschaftlichen Leistungen habe ich bewundert, aber vor allem habe ich den Menschen geschätzt, den ich kennenlernen durfte“, sagte Bundeskanzler Werner Faymann.

Djerassi nahm 2004 auch die österreichische Staatsbürgerschaft an und vermachte  einen Teil seiner Kunstsammlung der Wiener Albertina. „Die Albertina verdankt Carl Djerassi eine der reichsten Schenkungen der letzten 15 Jahre“, sagte Direktor Klaus Albrecht Schröder.