„Es ist eine Liebeserklärung“

Kultur / 04.02.2015 • 19:52 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Elke Maria Riedmann und Juliane Gruner in „Die Reise nach Islamabad“ von Klaus Chatten am Theater Kosmos.  Foto: VN/Steurer  
Elke Maria Riedmann und Juliane Gruner in „Die Reise nach Islamabad“ von Klaus Chatten am Theater Kosmos. Foto: VN/Steurer  

Theater Kosmos will aufzeigen, dass es im großen Stückefundus echte Fundstücke gibt.

Christa Dietrich

Bregenz. „Ehrlich gesagt, es wundert mich selbst, dass dieses Stück noch nie auf die Bühne kam“, schwärmt Augustin Jagg von seiner Entdeckung, die er gemeinsam mit Hubert Dragaschnig schon vor einiger Zeit gemacht hat. Die beiden Theaterleiter waren auf der Suche nach einem Stück, in dem sich Abendland und Morgenland berühren: „Aber bitte“, wie Jagg betont, „so humorvoll wie möglich.“ Der deutsche Autor und Regisseur Klaus Chatten hat ihnen sozusagen mit „Die Reise nach Islamabad“ geliefert, was sie sich wünschten. Nachdem feststand, dass sie mit der deutschen Schauspielerin Juliane Gruner, mit der sie bereits vor drei Jahren bei der Produktion „Bridge“ zusammengearbeitet hatten, eine Künstlerin gewinnen konnten, die den westfälischen Dialekt beherrscht, stand der Realisierung der Uraufführung nichts mehr im Weg.

Der Autor will sich allerdings zurückhalten, kam einmal zu den Proben, war von der Arbeit in Bregenz angetan und wird sich erst eine der letzten Aufführungen ansehen. Seine Sorge, dass der Inhalt zu Problemen führt – immerhin planen zwei ältere Damen einen Anschlag auf Terroristen – kann Jagg zerstreuen. „Das Stück hat einen charmanten Humor, dieses Thema ist auch nur eine Facette der Handlung. Ich finde es toll, dass die beiden Damen meinen, sie müssten die Welt retten und so etwas wie Allmachtsgefühle entwickeln.“ Abgesehen davon, dass man beim Lesen des Stücktextes gar nicht auf die Idee kommt, dass es diesbezüglich Sprengstoff enthält, sei man, wie Jagg im Gespräch mit den VN betont, in der Bewerbung der Uraufführung auch bewusst nicht spekulativ mit dieser Thematik umgegangen.

Lakonische Sprache

Hervorstechend bei diesem mehr oder weniger gemütlichen Fernsehabend, der in der Hoffnung auf einen Geldgewinn gipfelt und damit Ideen freisetzt, ist eher die Sprache bzw. der Dialekt. Dass eine Anpassung an regionale Akzente niemals funktionieren würde, steht fest, Jagg lehnte aber auch eine Übertragung ins Hochdeutsche ab. „Es ist ein Westfälisch light, das hier zum Einsatz kommt, der Humor bezieht sich auf diesen Singsang bzw. diese lakonische Form des Sprechens.“

Neben Juliane Gruner treten übrigens die bekannte Vorarlberger Clownfrau Elke Maria Riedmann in einer über weite Strecken nonverbalen Rolle sowie Wolfgang Pevestorf auf, ein höchst artikulationsbegabter Schauspieler des Vorarlberger Landestheaters, der zuletzt in der Produktion „Venus in Furs“ nach Genet im Dornbirner Theater Wagabunt überzeugte.

Die „Liebeserklärung an die unverwüstliche Lebenskraft einer ganzen Frauengeneration“ (Jagg) hat ihren Ursprung wahrscheinlich auch in einer Hommage an die Mutter des Autors. Augustin Jagg hat dem eine etwas erschreckende, aber letztlich schöne Geschichte hinzuzufügen, die ihm seine Mutter offenbarte und die ihn bei der Regiearbeit inspirierte. Bei einem Besuch gemeinsam mit einer Freundin am Friedhof ihres Heimatortes hat sie jüngst die Aggression eines Mannes abwenden können. Die beiden Frauen reagierten nämlich völlig unerschrocken und fragten, ob sie dem Mann, der sie offensichtlich überfallen wollte, irgendwie behilflich sein könnten.

Zur Person

Klaus Chatten

Geboren: 1963 in Lennestadt

Tätigkeit: Autor, Übersetzer, Regisseur, Schauspieler

Ausbildung: Studium am Reinhardt-Seminar in Wien und am HB Studio in New York

Werke: Drehbuch „Stille Nacht – Ein Fest der Liebe“ (Regie: Dani Levy), „Unser Dorf soll schöner werden“, „Sugar Dollies“, „Klassentreffen“, „Am Meer“, „Die Reise nach Islamabad“ u.a.

Die Premiere findet heute,
5. Februar, 20 Uhr, im Theater Kosmos in Bregenz (shed 8) statt.