Eine Sammlung mit unverwechselbarem Profil

Kultur / 11.02.2015 • 19:28 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ein Werk des amerikanischen Künstlers Matt Mullican. Fotos: ag
Ein Werk des amerikanischen Künstlers Matt Mullican. Fotos: ag

Zum 15-jährigen Bestehen zeigt das Kunstmuseum Liechtenstein 160 Werke aus seiner Sammlung.

Vaduz. (VN-ag) 2015 feiert das Kunstmuseum Liechtenstein sein 15-jähriges Bestehen. Bevor der schwarze Kubus mitten in Vaduz im Mai durch den weißen Würfel der Hilti Art Foundation eine sowohl räumliche als auch inhaltliche Erweiterung erfährt, besinnt man sich auf die eigenen Bestände. Nach der Eröffnungsausstellung vom November 2000 zeigt die aktuelle Ausstellung „Schön, euch zu sehen!“ 160 Werke aus einer in den vergangenen 15 Jahren konsequent und strategisch ausgebauten Sammlung mit unverwechselbarem Profil.

Gesammelt wird in Liechtenstein schon länger. Auf der Basis der seit den 1960er Jahren zusammengetragenen Liechtensteinischen Staatlichen Kunstsammlung markieren dreidimensionale Kunstwerke, sowie rationale Tendenzen einerseits und anthropologische Verfahren andererseits die Schwerpunkte des Bestandes. Gekauft wurde und wird einerseits mit dem seit zwei Jahren von 500.000 auf 200.000 SFr. beschnittenen Beitrag des Staates, mit Stiftungsgeldern (allen voran die Stiftung Freunde des Kunstmuseum Liechtenstein) sowie außertourlichen staatlichen Zuwendungen, die beispielsweise 2006 in Kooperation mit den Museen St. Gallen und Frankfurt den Erwerb der Sammlung Rolf Ricke ermöglichten. Keiner strengen Thematik gehorchend, sondern vielmehr den thematischen Überschriften der fünf Ausstellungssäle unterstellt, ist eine überaus dichte Schau entstanden. Man schöpft aus dem Vollen, zeigt, was man hat, und das macht Freude. „Schön, euch zu sehen!“ ist mehr als eine Floskel. Die Sammlung, als Schatz, wird gehoben und fördert substanziell gewachsene Werkgruppen, Neues, Bekanntes und Rares, von Künstlern wie Marcel Duchamp, Matt Mullican, François Morellet, Absalon oder Rosemarie Trockel zutage, an denen sich Entwicklungen ablesen lassen.

Roter Faden

Mit der Arte Povera, der Kunst mit einfachen Mitteln, zieht sich ein inhaltlich breit aufgestelltes Phänomen wie ein roter Faden durch die Ausstellung, das Anknüpfungspunkte und Schnittflächen zu anderen künstlerischen Strömungen bietet. Eine Erdkugel von Gloria Friedmann, die „Zelle No.5“ von Absalon als minimiert-individualisierter Lebens- und Arbeitsraum in einem weißen Rundturm und als einziges Werk der Schau, das angefasst und begangen werden kann, dazu die Dekodierungsmethoden des Amerikaners Matt Mullican – der erste Raum widmet sich der Analyse von „Mensch und (Um)Welt“. Versuche über „Form, Regel und Freiheit“ in der Auseinandersetzung mit Material, Herstellungsprozess und dreidimensionalem Raum folgen mit Arbeiten von Fred Sandback, Donald Judd oder Richard Serra, lassen aber auch Platz für die punktuellen Abweichungen der Liechtensteinerin Regina Marxer.

Herausragend im großen Kapitel „Kunst, Leben und Gesellschaft“ die von einer erstmals gezeigten Fotodokumentation begleitete Installation „Raum 3…“ von Joseph Beuys, aber auch die Gegenüberstellung von Rosemarie Trockels Werk mit Arbeiten der Japanerin Leiko Ikemura. Mit einer Handykette um den Hals schafft Pawel Althamer ein Selbstporträt, das zugleich unsere Gesellschaft abbildet, während Christian Boltanski Erinnerungsarbeit leistet und Anne Marie Jehle über einem Waschbecken konstatiert „Ich bin daheim“. Neue, vielgestaltige Aufbrüche in die Weidegründe der Malerei offenbart der vierte Raum, während sich das letzte Kapitel der Schau „Zweifel, Spiel und Engagement“ widmet. Neben einer ironischen Arbeit, die nicht nur Feministinnen erheitern dürfte, zur Frage „How do Men Turn into Dogs?“ von Nancy Wilson-Paji steht ein einzigartiges Konvolut von Werken Marcel Duchamps im Fokus, das allein den Ausstellungsbesuch lohnen würde. Darunter nicht nur Fotos und Anweisungen zum Bau des realisierten, aber nicht mehr existenten „Grünen Lichtstrahls“, oder Werke zum Schattenthema, sondern auch eine kleine Radierung als künstlerischer Erstling. Das Blatt zählt ebenso wie ein weiblicher Torso von Wilhelm Lehmbruck zu den Preziosen und Lichtpunkten der Schau.

Eine Sammlung mit unverwechselbarem Profil
“Punktuelle Abweichungen” von der Liechtensteinerin Regina Marxe.
Selbstporträt von Pawel Althamer.  
Selbstporträt von Pawel Althamer.  

Die Ausstellung im Kunstmuseum Liechtenstein wird heute, 12. Februar um 18 Uhr eröffnet. Geöffnet bis
23. August.