Die totale Schwerelosigkeit der Erinnerungen

Kultur / 13.02.2015 • 20:51 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Verschmolzene Perspektiven der Erinnerung.  Foto: Edgar Leissing  
Verschmolzene Perspektiven der Erinnerung.  Foto: Edgar Leissing  

Edgar Leissing stellt seine „Erinnerungsgebäude“ in Wien aus.

Wien. (VN-jal) Die im siebten Wiener Gemeindebezirk gelegene Galerie Gans zeigt in der am Dienstag eröffneten Ausstellung die Werke von vier verschiedenen Künstlern: Michaela Ghisetti, Michael Kos, Adam De Neige und des Vorarlberger Künstlers Edgar Leissing. Die Zusammenstellung deckt dabei ein breites Spektrum an Medien und künstlerischen Ausdrucksformen ab, von Malerei und Fotografie über Skulptur bis hin zu Grafiken und Objekten. Verbindendes Grundthema aller Arbeiten ist die „Schwerelosigkeit“. Das „schwebende Element“ zeigt sich bei allen Künstlern in verschiedenster Form, bei Michael Kos beispielsweise durch Kartonstreifen, die auf Alurahmen geschlichtet werden und ein landkartenartiges Bild ergeben. Bei Michaela Ghisetti werden feine Bleistiftzeichnungen in Collagen gruppiert, die die Holzmaserung des Objektträgers als abstraktes Muster miteinbeziehen. Erstmalig sind in der Galerie Gans auch Ölbilder und Skulpturen des in Teheran geborenen und in Frankreich und Wien studierten Künstlers Adam De Neige zu sehen. Als besonders eindrucksvoll stellt sich dabei die Skulptur zweier Hände heraus, die einen drei Meter langen Eisenstab balancieren. „Die losgelösten monochromen Körperteile in Balance stehend zu diesem langen horizontalen Stab geben dem Kunstwerk eine entrückte Dimension.“

Essenz

Hintergrund für die Werke von Edgar Leissing war ein Dilemma, welches wohl jeder von uns allzu gut kennt. Die Urlaubsfotos von anderen Menschen anzusehen wird meist schnell langweilig, da die Fotos selbst nur Bedeutung für die dabei gewesenen Menschen haben. Die Abbildung ist oft nur der Auslöser für eine Erinnerungskette für die betreffende Person. Außerdem stellte sich der Künstler die legitime Frage „was nützen mir dreitausend Fotos von New York, wenn ich sie nie mehr anschaue?“ Ausgehend davon schuf Leissing sogenannte „Erinnerungsgebäude“, aus selbstgemachten Fotos zusammengestellte Collagen, die in ihrer Gesamtheit eine Essenz des Erlebten und Gesehenen darstellen. Die verschiedensten perspektivischen Gegensatzpaare – privat und öffentlich, historisch und zeitgenössisch, repräsentativ und uncharakteristisch – verschmelzen und verdichten sich zu einer einzigen, sich auftürmenden und schwebend- balancierenden Architektur.

Bei diesen Collagen handelt es sich keinesfalls um eine Aneinanderreihung der bekanntesten Sehenswürdigkeiten einer Stadt. Oft geben nur kleine Bestandteile des Bildes Auskunft über den Ort, denn es kommen gleichermaßen bekannte und unbekannte Gebäude, kleine Gegenstände wie Bilderrahmen, Briefkästen, Heiligenfiguren aber auch Einfamilienhäuser, Bank- und Regierungsgebäude, Kathedralen und Synagogen, Museen, Konzerthallen und Wolkenkratzer gleichermaßen vor.

Galerie Gans Kirchberggasse 4, 1070 Wien; Öffnungszeiten:
Di. – Fr. 12–18 Uhr, Sa. 12–15 Uhr; www.galerie-gans.at