Musikalisches Anne-Frank-Gedenken

Kultur / 31.03.2015 • 19:06 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Mathias Schmidt hatte die Bürgermusik Lauterach bestens im Griff. Foto: HT  
Mathias Schmidt hatte die Bürgermusik Lauterach bestens im Griff. Foto: HT  

Bürgermusik Lauterach erntet mit hochklassigem Konzert Standing Ovations.

Lauterach. (ht) Die Erwartungen des Publikums in der übervollen Lauteracher Kirche wurden nicht enttäuscht. Erschütterung und Berührung löste das über 90 Musiker starke Ensemble unter der Leitung von Mathias Schmidt mit seinem durchdachten Programm aus, das das Gedenken an die Opfer des NS-Regimes zum Inhalt hatte. Im Mittelpunkt stand die Geschichte der Anne Frank, der der österreichische Komponist Otto M. Schwarz in seinem Werk ein expressives Denkmal setzte.

Schon im ersten Stück von Johan de Meij, „Festive Hymn“, ließ der das ganze Konzert auswendig dirigierende Mathias Schmidt die volle dynamische Bandbreite seiner Kapelle glänzen. Ganz im Stil eines großen amerikanischen Filmdramas sorgten heroische Klangbilder mit martialischen Einschüben für maximalen instrumentalen Auftritt. Dass es auch die zurückhaltenden, stillen Momente beherrscht, bewies das erfreulich jugendliche
Orchester in „Moonglow“.

Bedrückende Szenen

Das Hauptwerk des Abends war Anne Frank gewidmet. Mit Beamer an zwei Bildwände geworfene Kriegssequenzen unterstrichen die exzessive Klangsprache. In der Folge entwickelte sich ein akustisches und optisches Inferno, das den Horror dieser Zeit derart realistisch spiegelte, dass es abwechselnd heiß und kalt den Rücken hinunterlief. Marschierende Nazitruppen, Bombenhagel, KZ-Bilder, in die sich Zitate von Propagandaliedern mischten, all das fügte Schwarz in sein als Programmmusik komponiertes Werk. Berührend dazwischen der Solopart der jungen Geigerin Julia Schelling, die als Gleichaltrige wie Anne Frank einen warmen Kontrast zu diesem Höllenausbruch bildete. Diese große Ausdrucksvielfalt zeugte von der hohen Qualität des Klangkörpers, der damit seinen Vorjahrssieg beim Landeswertungsspielen eindrucksvoll rechtfertigte und unterstrich.

Optimistische Zukunft

Einzig die folgende Bach-Bearbeitung von „Komm, süßer Tod“ hätte in kleiner Besetzung für mehr Wirkung gesorgt. Mit zwei friedlicher ausgerichteten Werken ließ Mathias Schmidt abschließend in eine optimistische Zukunft blicken. Frenetischer Applaus des sichtlich euphorisierten Publikums erzwang natürlich eine Zugabe.