Nicht nur für die Fans von „Wild at Heart“

Kultur / 10.04.2015 • 22:40 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Fotoarbeiten von David Lynch sind im Flatz Museum in Dornbirn zu sehen. Der Spielboden präsentiert eine Reihe seiner Filme.  Foto: VN/Steurer
Fotoarbeiten von David Lynch sind im Flatz Museum in Dornbirn zu sehen. Der Spielboden präsentiert eine Reihe seiner Filme. Foto: VN/Steurer

Flatz Museum präsentiert David Lynch und bietet harte Fakten im weichen Licht.

Christa Dietrich

Dornbirn. Der Ablauf ist stimmig. Die Arbeiten von Marilyn Manson waren erst vor einigen Monaten zu sehen, zuvor wurde mit Weegee (Arthur Fellig) die Frage gestellt, wo die Dokumentation endet und der reine Voyeurismus beginnt.

Jetzt ist also David Lynch an der Reihe. Der Amerikaner (geboren 1946), der nicht nur Cineasten ein Begriff ist, hat sich mit „Wild at Heart“, „Blue Velvet“ oder „Twin Peaks“ in die Filmgeschichte eingeschrieben, den Thriller und den Horrorfilm zwar nicht – was abwertend zu verstehen wäre – salonfähig gemacht, aber dem Genre spezielle Qualität angedeihen lassen. Bevor er das Bedrohliche, das Unheimliche und Surreale von der Kamera einfangen ließ und den Begriff „Lynchean“ prägte, machte er sich als Fotograf einen Namen.

Dabei ist er aber auch Maler oder gar Skulpteur, denn die Motive (vorwiegend Porträts, Akte und hyperrealistisch anmutende Details von Blüten) lösen sich gelegentlich in Unschärfe auf, sie erhalten durch ergänzende, harte Kontraste eine dreidimensionale Wirkung.

Der ideale Ort

Im Museum, in dem ein beträchtlicher Teil des Werks des Vorarlberger Künstlers Wolfgang Flatz (geb. 1952) präsentiert wird, scheint die Auswahl an Arbeiten, die nun erstmals in Österreich zu sehen ist, an einem idealen Ort gelandet zu sein. Während Flatz den Körper zum Träger von Kunst oder zum Kunstwerk selbst macht und dessen Belastbarkeit dabei ausreizt, thematisiert David Lynch in seiner fotografischen Arbeit unter anderem die Deformierung desselben. Verena Kaspar-Eisert, Kuratorin am Kunst Haus Wien, die am gestrigen Freitagabend die Vernissage-Rede hielt, zählt noch weitere Gemeinsamkeiten auf.

So wird es die Besucher interessieren, dass nicht nur Flatz einmal eine Bar konzipierte, sondern auch Lynch. Die in den Primärfarben gehaltene Einrichtung des Vorarlbergers war ursprünglich für das „Café Größenwahn“ in München vorgesehen und kam über das „Rote Haus“ in Dornbirn schließlich ins Museum, wo sie – folgerichtig – nicht nur als Ausstellungsstück fungiert. Lynch hat vor vier Jahren seine Bar „Silencio“ in der Rue Montmartre in Paris eröffnet. Dort finden ebenso Konzerte und Ausstellungen statt.

Radikalität

Wolfgang Flatz ist, wie Kaspar-Eisert betont, Aktionskünstler, Bildhauer, Bühnenbildner, Musiker und Komponist: „Die Multimedialität, also der Einsatz unterschiedlicher Medien und eine Könnerschaft von vielen, ist eine weitere Gemeinsamkeit der beiden Künstler. Lynch sagt ,Ideas take you to different places‘ und meint damit, dass die Entscheidung für das jeweilige Medium und Material erst nach der Idee folgt. Als dritte Übereinstimmung sehe ich dann die Radikalität, mit der die beiden ihre Ideen umsetzen.“

Geöffnet im Flatz Museum in Dornbirn (Marktstraße 33) bis 27. Juni, Fr, 15 bis 17 Uhr, Sa, 11 bis 17 Uhr, So, 14 bis 17 Uhr.