Die Grenzen wahrnehmen und dann hinter sich lassen

Kultur / 16.04.2015 • 20:03 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ort der Veranstaltungen ist das Schloss Werdenberg in der Ostschweiz.  Foto: Daniel Ammann
Ort der Veranstaltungen ist das Schloss Werdenberg in der Ostschweiz. Foto: Daniel Ammann

Das Festival „Schlossmediale Werdenberg“ ist heuer Gratwanderungen gewidmet.

Werdenberg. Die Schlossmediale Werdenberg, das internationale Festival für Alte Musik, Neue Musik und audiovisuelle Kunst, vereint während zehn Tagen über 50 Künstler. Künstler, die nicht anwesend sind, weil sie keine Einreiseerlaubnis erhielten, Künstler, die so wenig kategorisierbar sind wie die jahrhundertealte Spielstätte, das Schloss selbst.

Es steht am östlichen Rand der Schweiz. Das Programm ist darauf abgestimmt. „Nicht nur geografisch, auch gesellschaftlich, künstlerisch und vor allem musikalisch“, verspricht der Geschäftsleiter Kurt Scheidegger. „Wir begeben uns auf Gratwanderungen zwischen Jahrhunderten, zwischen Klang und Sprache, Abbild und Schicksal, Leben und Aussterben“, sagt die künstlerische Leiterin Mirella Weingarten.

Bis zu den Bienen

Über 50 Künstlerinnen und Künstler gestalten die Schwellen, Schnittstellen und Grenzgänge. Da ist Helmut Oehring, der als Sohn gehörloser Eltern in der Welt der Gebärden aufwuchs und dabei zum sinnlichen Komponisten heranreifte. Er hat drei Werke geschaffen, die die Schattenseiten des heutigen Lebens bündeln. Daniel Wetzel von der Künstlergruppe „Rimini Protokoll“ verbindet die alten Schlossmauern mit Einflüssen von John Cage: In seiner akustisch-visuellen Performance schlüpfen seine Gäste in die Rollen von jungen Flüchtlingen. Die Schlossmediale überschreitet auch wörtlich die Landesgrenze und trifft sich mit Vorarlberger und süddeutschen Musikern im Montforthaus in Feldkirch zu einer ungewöhnlichen Koproduktion. Im neuen Kulturzentrum stehen sich zwei Schwinger im Sägemehl gegenüber. Für den passenden Klangteppich sorgen die Jodlerin Nadja Räss mit Eigenkompositionen und Markus Flückiger auf dem Schwyzerörgeli. Neben der Klangskulptur der Neuen Vocalsolisten führt das Stuttgarter Ensemble 333 in die Hochrenaissance. Weil auch die Bienen zunehmend an den Rand gedrängt werden, hat Jürg Kienberger mit „Ich Biene – ergo summ“ ein komisches Bühnensolo über das Leben und Sterben geschaffen. Er spielt am Flügel von Frida Hilty, der letzten Bewohnerin des Schlosses.

Mit dem „Hang“, einer ufoartigen Stahlblechschüssel, steht ein besonderes Instrument im Fokus. Es wird von Hand berührt, angetippt, angeschlagen, gestrichen oder gezupft und vermag die Menschen durch seinen eigentümlichen Klang in Trance zu versetzen. Arno Oehri stellt es zusammen mit dem Klanglabor Liechtenstein vor.

Die Schlossmediale Werdenberg findet vom 22. bis 31. Mai statt: www.schlossmediale.ch/programm