Präsent, aber einst nicht erwähnt

17.04.2015 • 19:11 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Arbeiterkammer in Feldkirch von Adelheid Gnaiger.
Die Arbeiterkammer in Feldkirch von Adelheid Gnaiger.

Frauenmuseum zeigt Adelheid Gnaiger, die erste freie Architektin Vorarlbergs.

Christa Dietrich

Hittisau. Das Rathaus in Lustenau steht längst unter Denkmalschutz, die Arbeiterkammer Feldkirch wurde so saniert, dass die ursprüngliche Architektur durchaus erkennbar ist. Als man das Gewerkschaftshaus in Bregenz-Vorkloster platt machte, war offenbar noch zu wenigen Personen klar, dass es sich um ein erhaltens- bzw. schützenswertes Gebäude handelt.

Heute würde das nicht mehr passieren, erklärte Stefania Pitscheider Soraperra. Als Leiterin des Frauenmuseums in Hittisau präsentiert sie nun Teile aus dem Nachlass der Architektin Adelheid Gnaiger (1916–1991).
Beruhigt, dass der Nachlass nun gesichert ist bzw. vom Vorarlberg Museum übernommen wird, darf sich der Besucher mit einer Fachfrau auseinandersetzen, die einerseits das Glück hatte, aus einem familiären Umfeld zu stammen, in dem den Töchtern (die Schwester wurde Ärztin) das Hochschulstudium ermöglicht wurde,

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war Adelheid Gnaiger aber auch lange Zeit aus dem Gedächtnis der Öffentlichkeit verschwunden. Ihr Name taucht nicht einmal in einer Dokumentation über die Wiederaufbaujahre 1945 bis 1954 in Vorarlberg auf. Von Frauen erwartete man den Rückzug in die Familie oder gegebenenfalls – entsprechend ihrer Ausbildung – eine Anstellung in einem von einem Mann geleiteten Unternehmen.

Adelheid Gnaiger entsprach diesen Erwartungen nicht und wurde wohl auch deshalb einfach übersehen.
Obwohl beispielsweise das von ihr geplante Gebäude der Arbeiterkammer in Feldkirch vielen bekannt ist, bedurfte es einiger Bemühungen, um den Wert des Nachlasses zu verdeutlichen. Die Architekturhistorikerin Ingrid Holzschuh hat ihn wissenschaftlich aufgearbeitet und eine Publikation herausgebracht, die Kulturwissenschafterin Renate Breuß bezeichnete sie in einer Kurzbiografie als „erste freie Architektin Vorarlbergs“, Jutta Gnaiger-Rathmanner, die als Ärztin tätige Tochter der Architektin, hat zur ersten Ausgabe der Publikation beigetragen, die von einem Team von Wissenschafterinnen, nämlich von Barbara Keller, Renate Huber, Sabine Plakolm-Forsthuber, Monika Platzer und Astrid Staufer realisiert wurde. Festgehalten wurden die Bauten dabei übrigens von der Fotografin Petra Rainer.

Bemerkenswert

Den Bauwerken von Adelheid Gnaiger lassen sich, so Pitscheider Soraperra, die Begriffe klare Lichtführung, moderne Eleganz und bestens strukturiert zuordnen. Auffallend an den öffentlichen Bauten ist der oftmalige Einsatz von hohen Fenstern. Bemerkenswert ist und bleibt die Tatsache, dass sich Adelheid Gnaiger im konservativ-katholischen Vorarlberg durchsetzen konnte und dass die Qualität ihrer Planungen so weit Anerkennung fand, dass es auch zu zahlreichen großen Aufträgen kam. Richtungsweisend muss Adelheid Gnaiger nicht auch noch sein, damit ihre Arbeiten in die Sammlung einer großen Institution wie dem Vorarlberg Museum kommen.

Durchsetzungskraft

Als Leiterin des Frauenmuseums verweist Stefania Pitscheider Soraperra auf weitere Architektinnen, die ergänzend zur Ausstellung im Rahmenprogramm Erwähnung finden. Emilia Winkelmann (1875–1951) hat ihr Studium begonnen, als Frauen der Zugang zu Hochschulen an sich noch verwehrt war. Als Student „Emil“ kam sie bis zum Staatsexamen, gründete ein Büro in Berlin und bekam Aufträge für Mietshäuser, Villen und Studentenheime. Die Wienerin Ella Briggs (1880–1977) brauchte ähnlich viel Durchsetzungskraft, plante Wohnbauten und flüchtete als Jüdin schließlich nach London, wo sie ein Büro gründete. Margarete Schütte-Lihotzky (1897–2000), die mitunter auf ihre Erfindung der Einbauküche reduziert wird, war sozial und politisch aktiv und plante zahlreiche Wohnanlagen und weitere Bauten. Die Salzburgerin Hilda Crozzoli (1900–1972) war die erste Baumeisterin und Bauingenieurin und leitete ein Unternehmen, das Dutzende Aufträge realisierte, die unter anderem auch das Stadtbild prägen. Für Adelheid Gnaiger gilt auch das zumindest in Ansätzen.

Ich finde ihre Arbeiten sehr bemerkenswert. Sie ist einen klaren Weg gegangen.

Stefanie Pitscheider Soraperra
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Schalterhalle (1964) der CA-BV Bregenz.  Fotos: VM/Archiv Gnaiger  
Schalterhalle (1964) der CA-BV Bregenz. Fotos: VM/Archiv Gnaiger  

Zur Person

Adelheid Gnaiger

Lebensdaten: 1916 bis 1991

Ausbildung: Technische Hochschule in Wien

Beruflicher Werdegang: Reichsbauamt Feldkirch, Büro Hans Oetker in Zürich, 1949 Gründung eines Architekturbüros in Feldkirch

Projekte: CA-BV Feldkirch, Spar- und Darlehenskasse Feldkirch, CA-BV-Zweigstelle in Bregenz, Hypobank Feldkirch, Hypobank Bludenz, Arbeiterkammer Feldkirch, Rathaus Lustenau, ÖGB Bregenz Vorkloster u.a

Die Ausstellung wird im Frauenmuseum Hittisau am 18. April, 17 Uhr eröffnet. Geöffnet bis 31. Mai: www.frauenmuseum.at